Eine Mutter am Rande des Nervenzusammenbruchs oder: Der ganz normale Alltag…

Es ist ja nicht so, dass ich nicht wüsste, was mich erwartet. Ein langer Arbeitstag ohne richtige Mittagspause, auf dem Heimweg noch schnell was zu Futtern am Bahnhof geschnappt, kurzer Zwischenstopp zuhause. Essen futtern, Rucksack abstellen. Verpflegung für die Kids einpacken (Wehe wenn ich nichts dabei habe!) und dann zu Fuß zur Kita laufen. Soweit so gut. In flottem Tempo gehe ich die 15 Minuten zum Kindergarten. Klar freue ich mich darauf, meine Tochter abzuholen. Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude…

Kaum bin ich am Kindergarten angelangt, geht das Drama los. Die gebastelten oder gemalten Werke müssen bewundert und äußerst pfleglich eingepackt werden, am besten ohne Unterstützung der Mutter… überhaupt, egal was ich ab diesem Zeitpunkt tun werde, es wird sowieso falsch sein. Hm, was gibt es noch zu erledigen? Hausschuhe ausziehen. Einfach Klettverschluss aufmachen und rausschlüpfen, puh, das geht zum Glück ganz leicht. Meist auch, wenn man schlecht gelaunt ist. Dann: Jacke und Mütze sowie den Kindergartenrucksack vom Garderobenhaken nehmen, sich anziehen und dann zum Eingangsflur gehen, wo die Straßenschuhe stehen. Hier gibt es ganz schön viele Stolpersteine. Erst mal die drei Sachen in den Flur tragen. Da wird schon mal der ein oder andere Gegenstand auf den Boden geschmissen und bleibt erst mal dort liegen. Am liebsten soll die Mama, die kurz zuvor gar nichts anfassen durfte, alles, was das Kind hingeschmissen hat, aufsammeln. Je nachdem, ob die Mama aufgibt oder nicht, kann es schon mal zehn Minuten dauern, bis man sich schließlich im Eingangsflur befindet. Spätestens jetzt wird es kritisch: Jacke, Mütze UND Schuhe müssen jetzt dringend angezogen werden, bevor man sich endlich auf den Weg nach Hause bzw. in unserem Fall zum Abholen des nächsten Kindes machen kann. Meine 4jährige und nach wie vor trotzige Tochter besteht meist darauf, alles alleine zu machen – woran es wirklich gar nichts zu bemängeln gibt, außer der Tatsache, dass sie nicht damit anfängt. Es braucht mindestens einen Heulanfall ihrerseits und bis zu drei Drohungen meinerseits, dass ich jetzt ohne sie gehe, bis sie schließlich anfängt, sich anzuziehen und auch dann brauche ich noch Geduld, denn es dauert einfach.

Schließlich stehe ich mit einem heulenden Kind vor der Eingangstür, das noch mit dem Reißverschluss seines Anoraks kämpft. Mitleidsvolle Blicke anderer abholender Eltern erreichen mich. Wobei mir nicht ganz klar ist, wem das Mitleid gilt, dem heulenden Kind oder mir…

Soweit so gut, wir machen uns auf den Weg zur Bushaltestelle. Es sind 5 Minuten Fußweg und zwei Ampeln zu überqueren, das geht ganz gut solange ich nicht von meiner Tochter verlange, an meiner Hand zu laufen. Im Bus dann die nächsten Schwierigkeiten: wir steigen vorne ein, das Kind will natürlich partout ganz hinten sitzen. Klar, ist der Bus schon losgefahren, bevor wir hinten ankommen. Das Kind hält sich natürlich nicht fest, kann also umfallen. Wenn ich versuche, es festzuhalten, werde ich aufs Übelste von ihr beschimpft. Wenn ich es nicht tue (wofür ich mich, ehrlich gesagt, immer häufiger entscheide), werfen mir andere Fahrgäste, bevorzugt Frauen, denn die Männer kriegen sowas ja gar nicht mit, sehr böse Blicke zu. Überhaupt, wenn man mit so einem Kind in einer solchen Phase (Jedes Kind hat einmal am Tag einen Moment, an dem es unerträglich ist, so sagte mir die Tagesmutter meiner Großen mal zum Trost.) irgendwo im öffentlichen Raum unterwegs ist, bekommt man sofort einen Stempel aufgedrückt. Den der überforderten Mutter, die ihr Kind nicht unter Kontrolle hat, … wie ich sie hasse, diese Stempelblicke!!! Diesen Menschen reicht eine Minute meines kompletten Tagesablaufs, um sich ein Urteil über mich zu bilden.

Weiter im Programm, die Busfahrt ist geschafft. Allerdings nicht ohne weitere Beleidigung, da ich es doch tatsächlich gewagt habe, meiner Tochter beim Herunterklettern vom Sitz zu helfen. „Blödes Monster!“ bekomme ich dafür draußen zu hören, verbunden mit einem Schubser. Falls da noch irgendwo ein Rest von Geduld in mir gewesen ist, dann ist er jetzt endgültig weg. Der Geduldsfaden reißt und es platzt aus mir heraus, dass man seine Mama nicht schimpfen darf und natürlich sage ich auch noch, wie viel „Spaß“ es mir immer macht, sie abzuholen. Nicht so toll, ich weiß. Aber schließlich bin ich auch nur ein Mensch. Die nächsten 5 Minuten geht sie ohne zu meckern an meiner Hand. Es herrscht Funkstille. Auch auf der nun folgenden Fahrt mit der U-Bahn. Puh, ich kann endlich ein wenig durchatmen.

Was dann noch kommt, ist für mich Alltag. Wir holen die Große an der Schule ab, kurz vor der Straßenbahnhaltestelle fällt der Kleinen ein, dass sie ganz dringend Pipi muss. Also noch mal umkehren… zu guter Letzt noch einmal umsteigen am Hauptbahnhof. Während wir auf unsere Straßenbahn warten, streiten und hauen sich die Kinder. Schlussendlich erreichen wir kurz nach 17 Uhr die heimische Wohnung.

Auf meiner To-Do-Liste stehen noch mindestens: Rucksäcke der Kinder ausleeren, die Hausaufgaben der Großen kontrollieren, Abendessen zubereiten, Küche aufräumen und die Kinder ins Bett bringen.

Was haben wir uns nur dabei gedacht, Kinder in die Welt zu setzen??

Null Freizeit, 100 Prozent Stress und Machtkämpfe, endlos lange Aufgabenlisten und 200 Prozent Erschöpfung. Das war mein Bericht vom heutigen Tiefpunkt. Die Fortsetzung lesen Sie nächsten Donnerstag, wenn es wieder heißt „Ich hole meine Kinder ab“.

Ich geh jetzt mal meinen Akku aufladen…

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