Alles nicht so einfach im 21. Jahrhundert. Ständig kommt irgendeine Eilmeldung auf unserem Smartphone an, die Gedanken anderer Menschen prasseln in Form von Whatsapp-Nachrichten oder Meldungen über Statusänderungen auf uns ein und ständig muss ich entscheiden: Wichtig oder unwichtig? Muss ich mich jetzt damit befassen oder nicht? Oft reicht es später, aber weil ich nun mal schon die Überschrift gelesen habe, kann ich es ja gleich zu Ende lesen… Und so ertappe auch ich mich immer häufiger in den unmöglichsten Posen, den Blick fest ins Smartphone gerichtet, nur noch dies oder jenes zu Ende lesend…
Ist noch gar nicht so lange her, dass ich in der Arbeit auf der Damentoilette das Handy einer Kollegin gefunden und sie damit aufgezogen habe. Aber wie heißt es so schön? Man soll nie nie sagen…
Wie wohltuend ist es, morgens das Handy am Ladekabel liegen zu lassen oder wenn tatsächlich der Akku leer ist (beides kommt bei mir glücklicherweise des Öfteren vor) – nein, noch nie ist die Welt davon untergegangen und meine Kinder hatten an diesen Tagen keinen Notfall.
Vor einigen Wochen hatte ich in der Straßenbahn eine Begegnung mit einer vermutlich psychisch kranken aber auf alle Fälle sehr einsamen alten Frau. Kaum hatte sie mir gegenüber Platz genommen, brach das Elend auch schon aus ihr heraus. Sie erzählte mir, dass sie allein lebe und mit niemandem in ihrem Haus Kontakt habe. Alle, auch ihre Enkelkinder, würden immer nur in ihr Handy hineinschauen und niemand höre ihr mehr zu. Tränen standen in ihren Augen, als sie das sagte.
Dieser Eintrag soll nicht nur über das Thema „Fluch und Segen des Smartphone“ gehen, mit dem man zweifellos mehrere Bände füllen könnte – nein, ich möchte auch noch ein anderes Gefühl thematisieren, das mich momentan sehr beschäftigt und das sicher auch von den Meldungen, die auf meinem Smartphone eintreffen, geschürt wird: ANGST.
Es passieren so viele Dinge auf der Welt: Anschläge, wie der in Frankfurt-Hanau und die weltweite Ausbreitung des Corona-Virus. Erst gestern saß ich mit meiner Familie in einem Döner-Laden und dachte daran, dass jederzeit ein Irrer hereinstürmen und uns abknallen könnte. In meiner Kollegen-Whatsapp-Gruppe trafen ständig Kommentare zu den neuesten Corona-Fällen in Deutschland ein…
Jetzt, am Abend, wo ich diese Zeilen verfasse, bin ich ruhig und weiß, dass all die Panikmache nichts bringt… aber es fällt mir wahrlich nicht immer leicht, all die Nachrichten auszublenden und ganz normal weiterzumachen. Ich glaube, dass derzeit nichts so wichtig ist wie ACHTSAMKEIT. Sich besinnen auf den Moment, wahrnehmen, was ist und sich immer nur auf den nächsten Schritt konzentrieren. Nur so können wir in Zeiten wie diesen gesund bleiben und weitermachen. Schließen möchte ich meinen Blogeintrag mit diesem schönen Spruch:
„Das Gestern ist Geschichte, das Morgen ein Rätsel und das Heute ein Geschenk.“
