Michelle Obama: Becoming – Meine Geschichte

erschienen im Goldmann Verlag (18 Euro)

Ganz lange schon stand dieses Buch auf meiner Lese-Wunschliste und seit dem Erscheinen 2018 habe ich immer wieder versucht, dieses Buch aus unserer Stadtbibliothek auszuleihen. Leider ohne Erfolg. Als ich kürzlich während meiner Mutter-Kind-Kur in Borkum ein einziges Taschenbuch-Exemplar im hiesigen Buchladen sah, habe ich sofort zugegriffen und das Buch (560 Seiten) dann auch relativ schnell verschlungen.

Liebe Frauen, lest dieses Buch!!!

Es ist das beeindruckende Zeugnis einer starken Frau. Einer Frau, die nichts beschönigt und unumwunden auch über ihre schwachen Momente spricht. Einer Frau, die auch mit Mitte 50 noch neugierig auf das Leben ist und die sich – wie wir alle – auch heute noch manchmal die Frage stellt, ob sie gut genug ist. Es ist ein Buch, das uns die Bedeutsamkeit der eigenen Biographie aufzeigt und das gleichzeitig Mut macht, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Obama erzählt ausführlich von ihrer behüteten Kindheit, aus der sie viel Kraft schöpft und dem ärmlichen Viertel, der so genannten South Side in Chicago, in dem sie groß geworden ist. Mit sehr viel Ehrgeiz und der nötigen Unterstützung durch ihre Eltern und Lehrer schafft sie den College-Abschluss in Princeton, um dann noch einen Abschluss in Harvard draufzusetzen. Ihr erster Job ist eine gut bezahlte Stelle in einer renommierten Chicagoer Anwaltskanzlei. Ein Aufstieg wie im Bilderbuch.

Weiter schildert sie, wie sie Barack kennen und lieben lernt und kurz darauf einen entscheidenden Wechsel in ihrer beruflichen Laufbahn vornimmt: weg von der Anwaltskanzlei, die Unternehmen berät, hin zum schlechter bezahlten humanitären Engagement.

Auch als das Thema Familienplanung ansteht, berichtet sie offen von den Schwierigkeiten. Ihre beiden Mädchen sind das Ergebnis einer künstlichen Befruchtung. Obama ist in jeder Hinsicht eine mutige Frau.

Natürlich gibt sie nicht das Heimchen am Herd und so kämpft auch sie mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Hinzu kommt, dass ihr Ehemann ständig abwesend ist, da er mehrere Jobs gleichzeitig jongliert und schon bald eine Karriere in der Politik anstrebt.

Es zieht sich wie ein roter Faden durch Obamas Leben, dass sie ihre Freundschaften pflegt, neue Kontakte knüpft und sich nie zu fein ist, Hilfe anzunehmen, wenn es schwierig wird.

Das tut sie auch, als Barack in den Präsidentschaftswahlkampf einzieht und sie bei ihren Auftritten als Unterstützerin zunächst als „zornige schwarze Frau“ in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.

Selbstverständlich erfährt man auch so einiges über das Leben im Weißen Haus und den getakteten und glamourösen Alltag einer First Lady. Das Buch endet mit dem Auszug aus dem Weißen Haus und der Amtsübergabe an Donald Trump. In der Buchmitte finden sich Hochglanzseiten mit persönlichen Fotos von Obama, unter anderem von ihr als Baby, vor dem Traualtar und bei der Vereidigung ihres Mannes zum Präsidenten.

Was mich am meisten beeindruckt hat, ist, dass Michelle Obama trotz ihres geradezu kometenhaften Aufstiegs bodenständig geblieben ist und nie vergisst, wo sie herkommt. Man spürt ganz oft, dass auch sie „nur“ eine Mutter ist, für die das Wohlergehen ihrer Töchter an erster Stelle steht und das macht sie sympathisch. Gleichzeitig schafft sie es, ihr Herz für die Benachteiligten einer ganzen Nation zu öffnen. So setzt sie sich beispielsweise für den besseren Zugang zu Bildung von Kindern aus benachteiligten Vierteln und für eine gute Absicherung für Militärangehörige und ihre Familien ein. Ein schwieriger Spagat, der ihr während der Amtszeit ihres Mannes gut gelungen ist!

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