Mama plus

Sobald man Kinder hat, ist man ja in erster Linie Mutter. Nun sind wir aber auch Ehefrauen oder Partnerinnen, Berufstätige, Töchter, Schwestern und Freundinnen. Mit knapp 42 und Kindern im Alter von 7 und 11 Jahren bin ich in der erfreulichen Lage, dass mein Plus immer mehr Raum einnimmt, mit anderen Worten, ich habe wieder mehr Zeit für andere Sachen.

Eine dieser Sachen war eine Klassenfahrt, die ich Ende Juli mit meiner zehnten Klasse unternommen habe. Im Bordbistro des ICE nach Berlin war eine Mutter von 4 (!!) Kindern, die ihren Kids Mittagessen kaufte, vor mir. Sofort gab es Gerangel und Diskussionen um die im Kindermenü enthaltenen Spielzeuge… wie die Frau alles alleine abtransportiert hat, ist mir ein Rätsel, die Kinder haben jedenfalls nicht mitgeholfen, obwohl sie dazu durchaus in der Lage gewesen wären (sie waren schätzungsweise zwischen 4 und 8 Jahren alt). Die Frau hatte auf jeden Fall mein volles Mitgefühl und ich war richtig froh, dass ich nicht mit den 4 Kleinen, sondern mit einer zehnten Klasse unterwegs war, die im ICE friedlich vor sich hin schlummerte und mir keinen Stress machte. Ich dachte mir noch, womöglich ist die Frau auf dem Weg zur Mutter-Kind-Kur und muss die lange Anreise ganz alleine bewältigen. Als ich mit meinem Cappuccino durch die Waggons und wieder zurück zu meinem Platz lief, kam ich auch an der Mutter mit den 4 Kindern vorbei und traute meinen Augen nicht: Wer saß da mit Kopfhörer im Ohr und mit Laptop am Tisch? Genau, der Erzeuger der 4. Manche Dinge ändern sich wohl nie…:-(

Fazit Kleiderfasten

Nun ist mein Experiment des einjährigen Kleiderfastens schon seit Januar beendet und ich habe immer noch kein Fazit dazu geschrieben. Bitte sehr, hier kommt es.

1. Es ist nicht so schlimm, wie man es sich vorstellt.

Die Zeit ging unheimlich schnell vorbei und ich bin wirklich nicht „notleidend“, was Klamotten angeht. Im Rahmen unseres Umzugs habe ich mehrfach Kleidung aussortiert und mein Kleiderschrank ist immer noch gut gefüllt. Ich habe ihn jetzt übrigens nach Farben sortiert, das sieht total schön aus und ich kann die Kleidung entsprechend meiner Stimmung wählen.

2. Konsum wird total überbewertet.

Wenn man denkt, man braucht etwas unbedingt, dann kann man getrost erst einmal abwarten. Man kommt auf jeden Fall darüber hinweg. Es ist ein richtig gutes Gefühl, wenn man merkt, dass man eben doch ohne dieses Kleidungsstück leben kann. Viel besser als das schlechte Gewissen nach impulsiven Einkäufen oder Selbstbelohnung durch Shopping.

3. Man kann sich modisch und abwechslungsreich kleiden ohne sich ein Mal im Monat ein neues Kleidungsstück zu kaufen.

Man kann die vorhandenen Stücke immer wieder neu miteinander kombinieren. Es macht großen Spaß, das einfach auszuprobieren und so komme ich auf Kombinationen, die mir früher gar nicht eingefallen wären.

Wie es jetzt bei mir weiter geht?

Ich will nicht allzu akribisch sein, aber ich denke 10 bis 12 Neuanschaffungen pro Jahr sollten ausreichen. Bei Secondhand-Einkäufen sehe ich das etwas lockerer, aber ich versuche, auch das nicht zu übertreiben (In diesem Kalenderjahr war ich bereits 3 Mal im Secondhand-Shop). Wenn eine Jeans oder Schuhe kaputt gehen, können diese sofort ersetzt werden. Gleiches gilt für Unterwäsche und Socken.

Das Kleiderfasten hat mich dazu gebracht, mein eigenes Konsumverhalten kritisch zu hinterfragen. Mir ist aber auch klar geworden, dass mir Mode wichtig ist. Aber Mode und kritischer Konsum sind zum Glück heute kein Widerspruch mehr. In Kaufhäusern, in denen Fast Fashion angeboten wird, fühle ich mich heute nicht mehr wohl.