Der Erfinder des Sams hat im Alter von 83 Jahren seine Lebensgeschichte aufgeschrieben. Meine Kinder lieben die Geschichten vom frechen Sams, das Hörspiel „Am Samstag kam das Sams zurück“ kennt die gesamte Familie nahezu auswendig – da es uns auf vielen Autofahrten bestens unterhalten hat. Wenn sich die Kinder nicht einigen können – dieses Hörspiel geht immer!
Die Autobiografie von Paul Maar ist ein beeindruckendes Zeitzeugnis. Schnörkellos beschreibt er die verschiedenen Stationen seines Lebens: den frühen Tod der Mutter, eine Kindheit in Zeiten des Krieges, das schwierige Verhältnis zum Vater, die schicksalhafte Begegnung mit seiner Frau Nele, seine Autorwerdung und die Jahre des Schaffens und er lässt seine Leser sogar an seinem Alltag mit seiner mittlerweile an Alzheimer erkrankten Frau teilhaben.
Schnell wird klar, dass er es nicht leicht hatte im Leben, sein reiches Innenleben hat ihm stets bei der Bewältigung des Alltags geholfen. Während des Krieges hatte er eine relativ unbeschwerte Kindheit auf dem Land bei den Stiefgroßeltern. Aber mit der Rückkehr seines Vaters aus dem Krieg zwei Jahre nach Kriegsende änderte sich alles. Der Vater war gezeichnet vom Krieg und verbittert, da er sein Malergeschäft wieder neu aufbauen musste und sein Haus in Schweinfurt noch besetzt war. Seinen Jähzorn ließ er an seinen beiden Söhnen aus, die er häufig im Waschkeller mit einem Stück Gartenschlauch verprügelte.
Die ersten Jahre wieder zurück in Schweinfurt waren für den mittlerweile 10jährigen Paul sehr hart. In der Klasse fand der schüchterne Junge keine Freunde, er wurde oft auf dem Schulweg schikaniert und man merkt, wie viel von Paul Maar in der Figur von Martin Taschenbier steckt. Es war Paul Maar, der beim Völkerball immer als Letzter vom Teamkapitän in die Mannschaft gewählt wurde und er war es, der von den stärkeren Mitschülern gequält wurde. Auch den fiesen Sportlehrer (im Buch Herr Daume) gab es wirklich.
Die Vorlage für Herrn Oberstein, dem Chef von Herrn Taschenbier, ist übrigens kein geringerer als der Vater von Paul Maar, der auch im Besitz einer Rechenmaschine war und der seinen Buchhalter Herrn Wenner überaus schlecht behandelte. Der friedfertige und überaus sanftmütige Herr Wenner wiederum dient als Vorlage für Bruno Taschenbier.
Als Paul schließlich in der Oberrealschule sitzen blieb, erwies sich das als Glücksfall. Er kam in eine künstlerisch und sprachlich begabte Klasse, fand sofort gute Freunde und konnte endlich sein künstlerisches Talent ausleben. In diese Klasse kam dann auch seine spätere Frau Nele. Als einziges Mädchen legte sie an der Schule ihr Abitur ab. Die selbstbewusste junge Frau verliebte sich in den schüchternen Paul und die beiden sollten ihr ganzes Leben miteinander teilen.
Die Begegnung mit Nele war ein wichtiger Wendepunkt. Neles (mittlerweile geschiedenen und mit neuen Partnern in einer Art Kommune zusammen lebenden) Eltern betrieben das Fränkische Theater in Stöckach. Dort hatte Paul Maar die Gelegenheit erste Bühnenbilder zu gestalten, was dem Malersohn ganz neue Möglichkeiten eröffnete. Nun entstand der Wunsch, auch beruflich etwas Kreatives zu machen. Nach einigen Jahren als Kunstlehrer wagte er den Schritt und wurde freier Autor. Heute ist Paul Maar ein gefeierter und preisgekrönter Kinderbuchautor.
Ein spannender Werdegang, wie ich finde und eine absolute Leseempfehlung für alle, die mehr über den Erfinder des Sams wissen wollen.