Fleishman steckt in Schwierigkeiten

Auf die New Yorker Autorin Taffy Brodesser-Akner wurde ich kürzlich aufmerksam, da sie den Roman „Die Fletchers von Long Island“ veröffentlicht hatte und die ZEIT ein ausführliches Interview mit ihr brachte.

Mich faszinierte die Geschichte ihrer Schreibkarriere. Sie hatte ihren ersten Roman an den unmöglichsten Orten geschrieben: im Auto, während sie darauf wartete, dass ihre Kinder ihre Aktivitäten beendeten, auf der Toilette – weil sie einen plötzlichen Einfall hatte – oder im Flugzeug während einer Dienstreise. Mit unkonventionellen Porträts von Stars wie Gwyneth Paltrow oder Britney Spears machte Brodesser-Akner auf sich aufmerksam, aber der Durchbruch gelang ihr mit „Fleishman steckt in Schwierigkeiten“, einem über 500 Seiten starken Wälzer.

Zunächst sprach mich die Geschichte gar nicht so an: es geht um die Trennung eines Ehepaares in der Upper class von Manhattan. Toby, Leberspezialist an einem New Yorker Krankenhaus und Rachel, Inhaberin einer Künstleragentur und ein echter Workaholic. Zusammen haben sie zwei Kinder, die 8 und 12 Jahre alt sind.

Was mich anfangs richtig störte, war der Tonfall, mit dem weitere Figuren im Buch beschrieben und, meiner Meinung nach, abgewertet wurden. Welche Frau z.B. welches Make Up trägt und welche Rückschlüsse das zuließ. Es irritierte mich auch, da ich dachte, dass die Geschichte aus der Sicht von Toby erzählt wird. Aber ich begann darüber hinwegzulesen und die Geschichte nahm an Fahrt auf:

Toby muss einen Tag früher als abgesprochen, die Betreuung der Kinder übernehmen. Soweit so gut. Da er ohnehin mehr Zeit mit den Kindern verbringt und sich um sämtliche Belange der Kinder kümmert, kein großes Problem. Er muss lediglich seinen Alltag etwas umstrukturieren und in Sachen Online-Dating (auch ein großes Thema im Buch) etwas kürzer treten. Allerdings holt Rachel die Kinder nicht, wie vereinbart, ab. Mehr noch: sie meldet sich überhaupt nicht und ist weder für den (Ex-)Mann noch für die Kinder erreichbar. Wochenlang. Als Toby beginnt, sich damit abzufinden, wechselt die Erzählperspektive. Interessanterweise wird der Roman nicht von Toby erzählt, sondern von seiner alten Freundin Elizabeth, die Rachel zufällig begegnet und nun deren Sicht der Dinge darstellt.

Ähnlich wie im ersten Teil erfährt man in Rückblenden wie Rachel die Anfänge ihrer Beziehung mit Toby erlebt hat und was ihre Träume und Beweggründe im Leben waren. Auch das Geheimnis um die Wochen ohne Kinder und die Nicht-Erreichbarkeit wird gelüftet (In diesem Beitrag allerdings nicht, da ich den Lesespaß nicht verderben möchte!)

Brodesser-Akner baut noch einige erzählerische Kniffe ein, die den Leser stutzig machen und den Lesegenuss komplett. Kurz vor Ende des Buches stellt Elizabeth einige bemerkenswerte Überlegungen rund um das Thema Ehe und ums Älterwerden an. Sie steckt selbst in einer handfesten Midlife-Crisis und fragt sich, wo ihr Platz im Leben ist.

Ein wunderbares Buch für alle in den 40ern, die sich fragen, was das Leben noch so zu bieten hat! Und wer nach dem Roman noch nicht genug hat, kann im Anschluss noch die Serie gucken (läuft auf Disney). Brodesser-Akner selbst hat das Drehbuch dazu geschrieben. Ich bin schon gespannt!

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