Jo Wilde: Nur wir beide

Kann man nach 35 Ehejahren noch miteinander glücklich sein geschweige denn sich noch mal genauso verliebt fühlen wie am Anfang?

Diese Fragen versucht dieses Buch von Jo Wilde zu beantworten. Die Geschichte geht so: Julie und Michael Marshall haben sich nach 35 gemeinsamen Jahren nicht mehr viel zu sagen. Sie schlafen längst in getrennten Schlafzimmern und leben nur noch nebeneinander her. Die Handlung setzt ein, als Julie gerade die Scheidungspapiere bei ihrem Anwalt abgeholt hat. Just an diesem Abend verkündet der Premierminister den Lockdown und die Scheidungspapiere landen erstmal in der Nachttischschublade…

In den nächsten Wochen hat das Ehepaar Marshall ausgiebig Zeit, sich miteinander zu beschäftigen. Mit diesem Buch kann man die Zeit des Lockdown noch einmal Revue passieren lassen: die Stunden im Homeoffice, Sportkurse per Zoom-Konferenz, Facetime-Anrufe, um mit der Familie in Kontakt zu bleiben, der Applaus für Pflegekräfte, Spaziergänge zur Pflege sozialer Kontakte, das Wiederentdecken des Brotbackens und sogar der Kampf ums Toilettenpapier. Nichts wird ausgespart.

Die erzwungene Zweisamkeit geht nicht spurlos an Julie und Michael vorüber. Sie kommen wieder miteinander ins Gespräch und finden schließlich den Grund, warum sie sich immer weiter auseinander entwickelt haben. Sie besinnen sich auch der Vorzüge des Ehepartners. Nach mehreren romantischen Gesten und einem handfesten Krach gelingt es schließlich, die Ehe zu retten.

Auch wenn die Geschichte bisweilen etwas konstruiert wirkt und künstlich in die Länge gezogen wird (die Aussprache der Eheleute verzögert sich immer wieder), möchte man das Buch in einem Rutsch durchlesen. Eine unterhaltsame Ferienlektüre, die einen noch einmal in die Zeit des Lockdown zurückversetzt!

Michelle Obama: Das Licht in uns

Nachdem ich das erste Buch der ehemaligen amerikanischen First Lady regelrecht verschlungen hatte, war ihr zweiter Titel eine absolute Pflichtlektüre für mich. Michelle Obama gibt wieder zutiefst persönliche Einblicke. Sie schildert wie sie die vergangenen „Schreckens“jahre erlebt und auch überlebt hat: den Wahlsieg von Donald Trump, den Ausbruch des Coronavirus und die Zeit des Lockdowns sowie den grausamen Mord an George Floyd.

Stärker als in ihrem ersten Buch wird dabei ihre eigene Herkunft als People of color thematisiert.

Obama schreibt darüber, was ihr in dieser unsteten Zeit Halt gegeben hat. Dazu zählen Freundschaften, ein gesunder Lebensstil, Tätigkeiten, die einen erden (bei ihr war das das Stricken) und ihre Familie. Sie gibt auch wieder Einblicke in ihre Beziehung zu Barack und ihre Ehrlichkeit ist auch dieses Mal herrlich entwaffnend: Auch sie hat gelegentlich Wutanfälle und Lust, ihren Partner aus dem Fenster zu stoßen 😉.

Schließlich zählt sie fünf Lebensweisheiten ihrer Mutter auf, die sie geprägt haben. Meine Favorit ist „Erziehen Sie das Kind, das Sie bekommen haben.“

An Intensität und Glamour kann „Das Licht in uns“ nicht mit „Becoming“ mithalten, das Buch plätschert eher so dahin. Aber das Ende fand ich dann doch sehr inspirierend. Michelle Obama erklärt ihren viel zitierten Spruch „When they go low, we go high“ – der zugleich ihr und Baracks Lebensmotto ist. In der deutschen Übersetzung wurde er zu „Sich von seiner besten Seite zeigen“.

Damit ist gemeint, dass man sich selbst immer treu bleiben und immer an das Gute glauben soll, auch wenn die Anderen unfair spielen.

Michelle Obama ist für mich eine Frau mit Herz und Verstand und ich oute mich als große Bewunderin!

Der Tag, an dem Mama die Krise kriegte

Ein Buch von Nathalie Weidenfeld, erschienen im Knaus Verlag (2015)

Dieses Buch fand seinen Weg zu mir in der örtlichen Stadtbibliothek. Wir waren, wie üblich, spät dran und zwar im doppelten Sinn. Es war der letztmögliche Abgabetag unserer Ferienausleihe und es war 15 Minuten vor Bibliotheksschluss.

Meine Kleine hatte sich schnell für ein Detektivbuch mit einem Kommissar auf vier Pfoten entschieden und ich wollte mir auch noch ein bisschen Lesestoff besorgen und nicht nur die üblichen „Keine-Zeit-zum-Kochen-Kochbücher“.

Als ich den Titel „Der Tag, an dem Mama die Krise kriegte“ vorlas, meinte meine Kleine: „Mama, das musst du unbedingt nehmen!“. Warum bloß?!

Was soll ich sagen? Ich habe mich schon über die erste Geschichte, in der es um eine Last-Minute-Schultüten-Bastelaktion geht, die komplett aus dem Ruder läuft und weit nach Mitternacht endet, köstlich amüsiert. Die weiteren Geschichten handeln von misslungenen Kindergeburtstagen, Urlaubsfahrten, Familienzuwachs und von dem vergeblichen Versuch, die Kinder am Abend rechtzeitig ins Bett zu bringen. Auch der Mutter-Tochter-Konflikt wird thematisiert. Zu allem Überfluss taucht immer wieder eine demente Omi auf, die sämtliche Urlaubspläne der Familie zu sabotieren versucht. Dieses Buch ist wirklich absolut lesenswert!

Nathalie Weidenfeld schildert den Alltag einer fünfköpfigen Familie, in der beide Elternteile berufstätig sind, mit viel Witz und Ironie. Die Geschichten werden aus der Perspektive der ältesten Tochter Leonie erzählt, die stets sehr selbstbewusst ihre Meinung kundtut und nicht ganz unschuldig an dem ein oder anderen Kuddelmuddel ist. Nicht selten gerät eine Situation komplett aus den Fugen und es kommt zu herrlich absurden Dialogen. Am Ende haben sich dann alle wieder lieb. Wie im echten (Familien)Leben halt. Wirklich eine sehr unterhaltsame Lektüre und ein tolles Mitbringsel für FreundInnen. Mehr lustige Geschichten rund ums Thema Familie gibt es hier https://www.audible.de/ep/hoerbuecher.

Michelle Obama: Becoming – Meine Geschichte

erschienen im Goldmann Verlag (18 Euro)

Ganz lange schon stand dieses Buch auf meiner Lese-Wunschliste und seit dem Erscheinen 2018 habe ich immer wieder versucht, dieses Buch aus unserer Stadtbibliothek auszuleihen. Leider ohne Erfolg. Als ich kürzlich während meiner Mutter-Kind-Kur in Borkum ein einziges Taschenbuch-Exemplar im hiesigen Buchladen sah, habe ich sofort zugegriffen und das Buch (560 Seiten) dann auch relativ schnell verschlungen.

Liebe Frauen, lest dieses Buch!!!

Es ist das beeindruckende Zeugnis einer starken Frau. Einer Frau, die nichts beschönigt und unumwunden auch über ihre schwachen Momente spricht. Einer Frau, die auch mit Mitte 50 noch neugierig auf das Leben ist und die sich – wie wir alle – auch heute noch manchmal die Frage stellt, ob sie gut genug ist. Es ist ein Buch, das uns die Bedeutsamkeit der eigenen Biographie aufzeigt und das gleichzeitig Mut macht, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Obama erzählt ausführlich von ihrer behüteten Kindheit, aus der sie viel Kraft schöpft und dem ärmlichen Viertel, der so genannten South Side in Chicago, in dem sie groß geworden ist. Mit sehr viel Ehrgeiz und der nötigen Unterstützung durch ihre Eltern und Lehrer schafft sie den College-Abschluss in Princeton, um dann noch einen Abschluss in Harvard draufzusetzen. Ihr erster Job ist eine gut bezahlte Stelle in einer renommierten Chicagoer Anwaltskanzlei. Ein Aufstieg wie im Bilderbuch.

Weiter schildert sie, wie sie Barack kennen und lieben lernt und kurz darauf einen entscheidenden Wechsel in ihrer beruflichen Laufbahn vornimmt: weg von der Anwaltskanzlei, die Unternehmen berät, hin zum schlechter bezahlten humanitären Engagement.

Auch als das Thema Familienplanung ansteht, berichtet sie offen von den Schwierigkeiten. Ihre beiden Mädchen sind das Ergebnis einer künstlichen Befruchtung. Obama ist in jeder Hinsicht eine mutige Frau.

Natürlich gibt sie nicht das Heimchen am Herd und so kämpft auch sie mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Hinzu kommt, dass ihr Ehemann ständig abwesend ist, da er mehrere Jobs gleichzeitig jongliert und schon bald eine Karriere in der Politik anstrebt.

Es zieht sich wie ein roter Faden durch Obamas Leben, dass sie ihre Freundschaften pflegt, neue Kontakte knüpft und sich nie zu fein ist, Hilfe anzunehmen, wenn es schwierig wird.

Das tut sie auch, als Barack in den Präsidentschaftswahlkampf einzieht und sie bei ihren Auftritten als Unterstützerin zunächst als „zornige schwarze Frau“ in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.

Selbstverständlich erfährt man auch so einiges über das Leben im Weißen Haus und den getakteten und glamourösen Alltag einer First Lady. Das Buch endet mit dem Auszug aus dem Weißen Haus und der Amtsübergabe an Donald Trump. In der Buchmitte finden sich Hochglanzseiten mit persönlichen Fotos von Obama, unter anderem von ihr als Baby, vor dem Traualtar und bei der Vereidigung ihres Mannes zum Präsidenten.

Was mich am meisten beeindruckt hat, ist, dass Michelle Obama trotz ihres geradezu kometenhaften Aufstiegs bodenständig geblieben ist und nie vergisst, wo sie herkommt. Man spürt ganz oft, dass auch sie „nur“ eine Mutter ist, für die das Wohlergehen ihrer Töchter an erster Stelle steht und das macht sie sympathisch. Gleichzeitig schafft sie es, ihr Herz für die Benachteiligten einer ganzen Nation zu öffnen. So setzt sie sich beispielsweise für den besseren Zugang zu Bildung von Kindern aus benachteiligten Vierteln und für eine gute Absicherung für Militärangehörige und ihre Familien ein. Ein schwieriger Spagat, der ihr während der Amtszeit ihres Mannes gut gelungen ist!