Jürgen Teipel: Aber ich kann fliegen

Ein Buch, das mich diesen Sommer sehr berührt hat. Schonungslos und in schlichter Sprache erzählt Teipel von der Aufarbeitung seiner Kindheit und von seiner Selbstfindung.

Das Buch beginnt mit der Zeit als er, bereits im Erwachsenenalter, am Rande der Gesellschaft lebt und illegal über einem Kino haust. Mosaikartig erhält der Leser Einblicke in Teipels verschiedene Lebensstationen: die frühe Kindheit in Kulmbach, der für ihn nur sehr schwer zu verwindende Umzug der Familie nach Regensburg, das ewige Schikaniertwerden in der Schule, der Beginn einer Beamtenkarriere (die sich dann doch als nicht passend herausstellt), sein wachsendes Interesse an der Punkszene und schließlich seine Anfänge als Schriftsteller.

In kursiv gedruckten Einschüben meldet sich das innere Kind zu Wort und der Leser erfährt so einiges über Teipels intensives Gefühlsleben, auch Träume werden skizziert.

Die Reise zu sich selbst wird begleitet von einem Herrn vom DuMont-Verlag, der von Anfang an an Teipel glaubt und der mit ihm eine lebenslange Brieffreundschaft unterhält. Weitere wichtige Bausteine sind Gesprächstherapie, Meditation und nicht zuletzt Körpertherapie. Mithilfe dieser Werkzeuge gelingt es Teipel, alte Denkmuster abzustreifen und körperliche Angstzustände loszuwerden. Er kann echte Nähe zulassen und Beziehungen zu anderen Menschen eingehen.

Selbst ein milder Blick auf die Eltern, die mit ihrem sensiblen Sohn überfordert waren, vor allem auf den harten Vater, wird möglich. Das Verhältnis der beiden verbessert sich ungemein und vor dessen Tod kommt es sogar zur Aussöhnung.

Ein mutiges und inspirierendes Buch!

Caroline von St. Ange: Alles ist schwer, bevor es leicht ist – Wie Lernen gelingt

Echt jetzt – ein Buch mit Lerntipps mitten in den Sommerferien?! Keine spannendere Ferienlektüre? Mir ist das Buch von Frau von St. Ange genau zum richtigen Zeitpunkt in die Hände gefallen. Denn wenn im September der Alltag erst wieder eingekehrt ist, fällt es schwer, neue Ideen auszuprobieren! Der unkonventionelle Ansatz und die ungewöhnlichen Ideen im Umgang mit den ach so ungeliebten Hausaufgaben gefallen mir sehr!

Die erfahrene Lerncoachin und zweifache Mutter gibt zahlreiche Tipps für die Bewältigung der täglichen Hausaufgabenroutine mit herausfordernden Kindern (sie bezeichnet sie augenzwinkernd als „Endgegner“) und stellt ausführlich dar, warum sich für die Eltern die Mühe lohnt.

Alles beginnt mit der Erstellung eines Lernplakats (Was liegt heute an? Welche Aufgaben sind zu erledigen?), das kann für Kinder im Grundschulalter auch schon mal plastisch dargestellt sein, z.B. auf einem Spielteppich für Matchbox-Autos – in ihrem Buch finden sich viele kreative Beispiele ihrer Instagram-Fangemeinde. Hilfreich ist auch ein ritualisierter Startsong, der die Hausaufgabenzeit einläutet. Stupide Aufgaben kann man für die Kinder interessanter machen z.B. indem sie den Ort wählen dürfen, an dem sie diese erledigen. 1×1 Aufgaben dürfen z.B. mit einem wasserlöslichen Stift an die Fensterscheibe oder an den Badewannenrand geschrieben werden.

Von St. Ange findet, eine Stunde pro Tag für Hausaufgaben ist genug und ermutigt die Eltern dazu, nach einer Stunde einfach aufzuhören und dem Lehrer/ der Lehrerin eine entsprechende Rückmeldung ins Hausaufgabenheft hineinzuschreiben. Insgesamt spricht sie sich für eine bessere Kommunikation zwischen Eltern und Lehrkraft aus und ermuntert die Eltern regelrecht dazu, die Lehrer auch mal zu loben. Da ich selbst Lehrerin bin, freut mich das natürlich besonders 🙂

Besonders gefallen haben mir auch die Tipps gegen „Aufschieberitis“: Lernen mit dem Küchenwecker, z.B. erst mal nur 5 Minuten, diese aber dafür konzentriert, sich kleine Etappenziele setzen und die Arbeitszeit erst mal zu verknappen.

Die Lerncoachin gibt auch viele gute Tipps für den Umgang mit Fehlern und mit Prüfungsangst.

Dabei betont sie immer wieder, wie förderlich das richtige Mindset ist: Wenn etwas nicht gelingt, dann nicht, weil man es nicht kann, sondern weil man es NOCH nicht kann (siehe Titel). Im Idealfall sollen die Kinder erfahren, dass mit der nötigen Übung und Anstrengung alles möglich ist.

Obwohl von St. Ange selbst sowohl Noten als auch Hausaufgaben durchaus kritisch sieht, gibt sie den Eltern das nötige Rüstzeug an die Hand, um ihre Kinder gut durch die Schulzeit zu bringen. Absolute Leseempfehlung von mir.

Caroline Wahl: 22 Bahnen

Heute möchte ich eine neue junge Erzählerstimme im deutschsprachigen Roman vorstellen, die mich sehr beeindruckt hat.

In ihrem Erstlingswerk erzählt Caroline Wahl (Jahrgang 1995) die Geschichte einer besonderen Geschwisterbeziehung. Tilda und Ida leben in einer langweiligen Kleinstadt und müssen wegen ihrer alkoholkranken Mutter sehr früh erwachsen werden. Tilda, die ältere der beiden, studiert Mathematik, daneben versorgt sie den Haushalt und kümmert sich um ihre kleine Schwester. Mit ihrem Job an der Supermarktkasse trägt sie erheblich zum Familieneinkommen bei. Kraft schöpft sie aus ihrem täglichen Schwimmbadbesuch. Dort schwimmt sie jedes Mal 22 Bahnen.

Es ist eine Zeit des Umbruchs: Tilda steht am Ende ihres Studiums und muss eine wichtige Entscheidung treffen, mit der Mutter ist es ein ständiges Auf und Ab und plötzlich taucht auch noch der geheimnisvolle Viktor im Schwimmbad auf, den Tilda von früher kennt und den noch Gespenster aus seiner Vergangenheit quälen. Ganz langsam nähern sich die beiden Versehrten an.

Die Themen des Romans sind alles andere als leicht – es geht um Alkoholismus, um Verlust, ums Loslassen und ums Erwachsenwerden – dennoch gelingt der Autorin eine besondere Leichtigkeit in der Sprache und sie schafft neue Perspektiven. So errät Tilda beispielsweise anhand der Produkte auf dem Kassenband, welche „Sorte“ Mensch gerade bei ihr einkauft. Alles in allem ein sehr positiver und mutiger Roman, der zeigt, worauf es im Leben wirklich ankommt und wie man an schwierigen Lebenssituationen wächst.

Absolute Leseempfehlung von mir!

Digitales Entrümpeln

Krankheitsbedingt war meine Bildschirmzeit in den letzten Monaten deutlich höher als gewöhnlich. Noch dazu hatte ich Zeit im Überfluss, auch Zeit für die unangenehmen Dinge des Lebens. Eines davon war das Ausmisten meines eMail-Postfachs.

Im letzten Jahr habe ich in kurzen Abständen immer wieder Warnungen bekommen, dass mein eMail-Postfach zu voll ist und dass ich mir zusätzlichen Speicher kaufen müsste. Daraufhin habe ich ein bisschen was gelöscht, bis die nächste Warnung kann.

In den vergangenen Wochen und Monaten habe ich immer dann, wenn absoluter Leerlauf war, eMails gelöscht. Der Ordner „Soziale Netzwerke“ war schnell leer, aber mit der Ordner „Werbung“ hat ewig gedauert! Erst letzte Woche habe ich die allerletzte unnütze Werbe-eMail aus dem Jahr 2010 (!) gelöscht. Das Gefühl der Erleichterung war enorm!

Es ist wirklich erschütternd, wie viel Datenmüll produziert wird und wie viel Zeit man zum Löschen und/oder richtigem Abspeichern braucht. Zu Spitzenzeiten habe ich acht Newsletter am Tag bekommen – das macht über 56 pro Woche und 2912 im Jahr! Das war echt eine erschreckende Erkenntnis. Bedauerlich, dass ich mich nicht früher darum gekümmert habe! Im Zuge der Entrümpelungsaktion habe ich mich von vielen unnützen Newslettern abgemeldet, aber ich habe festgestellt, dass man unwahrscheinlich aufpassen muss, dass man nicht aus Versehen wieder neue abonniert.

Dann kam mein dienstliches eMail-Postfach an die Reihe. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich dieses besser in Schuss halte 😉. Allerdings habe ich unterschätzt, wie viele gesendete Nachrichten ich noch im Postfach hatte (über 1000). Da sind alle alten jetzt weg, das war auch noch mal sehr befreiend, da sich darin noch Spuren von so manch unangenehmer Korrespondenz fanden.

Schön, dass ich das Mal in Ruhe erledigen konnte 😊

Mama ist krank

Für die ganze Familie war es ein Riesenthema, dass ich jetzt wegen eines Leistenbruchs wochen- ja sogar monatelang nicht richtig einsatzfähig war. Mein Mann hat die täglichen Dinge des Alltags alleine gewuppt und was nicht dringend war, ist einfach liegen geblieben. Natürlich haben wir die Kinder auch mehr in die Pflicht genommen. Manches haben sie gern gemacht, manches weniger gern.

Tisch decken und abräumen ist jetzt endlich eine Selbstverständlichkeit geworden. Hat ja lange genug gedauert…

Wir haben auch so ein Frühstückstablett, das man im Bett aufstellen kann und das – ehrlicherweise – sehr selten zum Einsatz kommt. Meine Große ist ja Frühaufsteherin und hat mich ein paar Mal mit Frühstück im Bett beglückt 😊 – aber über so einen langen Zeitraum wie ich krank war, kann man das natürlich nicht erwarten!

Den Meerschweinchen-Käfig ausmisten war auch so eine Sache. Aus praktischen Gründen habe ich das in der Vergangenheit häufig alleine gemacht. Jetzt mussten die Kinder übernehmen. Die ersten Male haben sie ewig gebraucht und sich dabei übelst darüber gestritten, wer von beiden mehr macht. Aber es wurde tatsächlich irgendwann besser. Meine Kleine sagte danach jedes Mal zu mir: „Aber nächste Woche mach ich das nicht mehr!“ – Es war schwer, ihr zu erklären, dass sie mich sehr lange würde vertreten müssen…

Jetzt, wo ich mich wieder einigermaßen rühren kann, haben wir ausgemacht, dass wir den Käfig abwechselnd reinigen – für mich schon eine unglaubliche Verbesserung zu vorher 😊

Als es auf die OP zuging, haben sich die Kinder auch so ihre Gedanken gemacht. Die Große fragte mich einige Tage davor, ob dabei eigentlich irgendwas schief gehen könnte. Ich habe sie beruhigt und gesagt, dass es eine Routineeingriff sei und der Operateur sehr erfahren und dass sie sich keine Sorgen zu machen brauche.

Unser kleines Temperamentsbündel reagierte auf seine ganz eigene Weise. Am Abend vor der OP sagte die Kleine ernst zu mir: „Wenn der irgendwas falsch macht, dann hau ich ihn!“

Die Wochen nach der OP mussten mich die Kinder wie ein rohes Ei behandeln – zum Glück sind sie nicht mehr so klein. Unsere Kleine ist allerdings recht impulsiv und hat ein paar Mal nicht dran gedacht, aber ich konnte sie immer rechtzeitig ausbremsen.

Für mich war es sehr spannend, zu erleben, wie die Kinder sich mit der Situation arrangierten und was für Gedanken sie sich gemacht haben.

Wovon wir alle profitiert haben, ist die Zeit, die es plötzlich im Überfluss gab. Zeit, mit den Kindern Hausaufgaben zu machen oder für Proben zu lernen. Zeit, mit der Großen ihre Lieblingstiktoker zu gucken. Zeit, Spiele zu spielen und natürlich auch ganz viel Zeit zum Vorlesen am Abend.

Und so hat sich dieser Spruch wieder mal bewahrheitet: Alles Schlechte hat auch sein Gutes.

Apfelringe selbst herstellen

Eine wunderschöne (Ferien-)Aktion, bei der meine Kinder (9 und 12 Jahre) gerne mithelfen. Schade nur, dass der leckere Snack immer so schnell verzehrt wird!

Man braucht: einen Dörrautomaten, Äpfel, einen Ausstecher für das Kerngehäuse, ein Schälmesser und ein Schneidemesser, ein bis zwei Brettchen und eine Schüssel für die vorbereiteten Apfelringe.

Zu Dritt schaffen wir es ganz entspannt in ca. einer Stunde, den Dörrautomaten ein Mal komplett zu befüllen. Ich übernehme das Schälen, meine Kleine liebt es, das Gehäuse auszustechen und meine Große schneidet die Äpfel in gleichmäßige Ringe. Dann heißt es den Dörrautomaten befüllen und geduldig warten (ca. 8 h bei 70 °C). Unser Dörrautomat von Klamer schaltet sich automatisch aus, das heißt, er kann getrost über Nacht laufen. Und am nächsten Morgen freuen sich die Kids über die leckeren Apfelringe!

Ich bin selbst total überrascht, wie unkompliziert man Apfelringe selbst herstellen kann. Die getrockneten Früchte halten sich einige Wochen in der Frischhaltebox (wobei sie bei uns schon immer vorher aufgefuttert werden 😉). Beim letzten Mal hatten wir auch noch viele Bananen übrig, aus denen haben wir dann leckere Bananenchips gemacht.

Es ist jetzt vielleicht nicht ganz naheliegend, sich einen Dörrautomaten anzuschaffen. Alternativ könnte man die Apfelringe auch bei niedriger Temperatur im Backofen zubereiten. Muss man aber dran denken und ausmachen. Vielleicht gibt es ja jemanden im Bekanntenkreis, der ein Dörrgerät verleiht?

Ich selbst hatte Glück und habe bei kleinanzeigen.de ein kaum benutztes Gerät von einer Frau im Nachbarort gefunden – ein fast neues Gerät zum halben Preis, das ich auch gerne an meine Bekannten und meine Familie ausleihe. Dörrautomaten kann man gut gebraucht kaufen, da sie in der Regel nicht so häufig benutzt werden.

Neben Früchten lassen sich auch Kräuter und Pilze sehr gut haltbar machen.

Ein neues Hobby: Weben

Das Weben spukte schon lange in meinem Kopf herum, bis es endlich zu mir fand. Ich kaufe regelmäßig in einer Behindertenwerkstatt ein und dort fielen mir stets die gewebten Sitzkissen ins Auge. „Solche würde ich mir auch gern mal weben!“ dachte ich bei mir. Aber nie kaufte ich den Bausatz für den Webrahmen, schließlich hatte ich keine Zeit. So ging das eine ganze Weile.

Eines Freitagsnachmittags, nach einer harten Arbeitswoche, griff ich schließlich zum Stäbchenwebrahmen und startete noch am Abend mit null Vorkenntnissen mein erstes Webprojekt. Wenn man mit dicken Filzschnüren webt, sieht man schon nach kurzer Zeit Ergebnisse. Das macht Riesenspaß und süchtig nach mehr! Innerhalb kurzer Zeit schaffte ich ein Sitzkissen in nur einer Stunde.

Bald merkte ich, dass mich das Weben total erdet. Die Arbeit ist vergessen und ich konzentriere mich nur auf meine geschäftigen Hände, bin einfach im Hier und Jetzt. Wenn ich merke, dass das negative Gedankenkarussell anspringt, webe ich besonders gerne. Ich habe mir vorgenommen, diese negative Energie umzuwidmen und es gelingt oft.

Zum Glück wünschte sich meine Mutter einen Satz Sitzkissen zu Weihnachten. Ich bestellte mir ein riesengroßes Wollknäuel und machte mich an die Arbeit. Das Schönste daran: meine Mutter und ich hatten gleichermaßen Freude an dem Geschenk. Ich beim Weben und meine Mutter freute sich über das Endprodukt. Ich werde sicher noch mehr Familienmitglieder und Freunde mit meinen gewebten Werken beglücken 😉

Maulwurf der ich bin, tauchte ich tiefer in die Geschichte des Webens ein, besorgte mir günstig einen gebrauchten Webrahmen mit Wendekamm und Bücher mit Anleitungen. Ich fing an, filigraner zu weben. Ich muss sagen, der Anfang war härter als gedacht. Man muss den Webrahmen sehr exakt bespannen, man kann dabei sehr viel falsch machen und es dauert viel länger, bis man Ergebnisse sieht. Nichtsdestotrotz stellt sich das gleiche Gefühl ein: die geschäftigen Hände und die Ruhe im Kopf. Mal sehen, wo das alles noch hinführt. Nach einem Übungsstück mit einem ersten Muster, habe ich einen Schal im Hahnentrittmuster gewebt. Meine nächsten Projekte sind ein Tischläufer und Kissenbezüge. Ich bin froh und dankbar, diese Art der Entspannung für mich entdeckt zu haben! Sie hat mich gut durch die Zeit meines Leistenbruchs gebracht, in der ich mich kaum bewegen konnte.

Pam Pam Ida im Gutmann, Nürnberg (9. November 2023)

Nach über zwei Jahren spielte die Band aus Sandersdorf wieder einmal in Nürnberg, dieses Mal im „Gutmann“ am Dutzendteich. Die Durststrecke war lang und wir waren zwischenzeitlich sogar einmal in München auf einem Konzert (Dezember 2022), aber das Warten hat sich gelohnt!

Bei bestem Sound spielten die Jungs ein zweistündiges Konzert mit vollem Einsatz: zu den geschmeidigen Songs von Pam Pam Ida gab es tolle Instrumentensoli (E-Gitarre, Tuba und Saxofon) und natürlich wieder ganz viel fürs Herz. Kein Wunder, dass der Saal schon nach kurzer Zeit bebte und schnell war klar, dass auch die Franken die oberbayerischen Liedtexte mitsingen können.

Als krönenden Abschluss sangen Pam Pam Ida das Abschiedslied „I muaß geh“ a capella und mitten im Publikum – ein echter Gänsehaut-Moment (an dieser Stelle noch mal ein herzliches Dankeschön an den Zwei-Meter-Mann vor mir, der mit mir Platz tauschte 😉 und mir beste Sicht ermöglichte).

Mit einer neuen CD („Die Beste“) im Gepäck und beseelt von dem schönen Konzert, traten wir den (kurzen) Heimweg an.

Bitte, bitte haltet Euer Versprechen, liebe Pam Pam Idas und kommt bald wieder! Nürnberg braucht und liebt Euch!

Mama, wann fahren wir ins Wichtelgebäude?

Das hat mich meine Tochter M. heute gefragt, gemeint hat sie natürlich das „Fichtelgebirge“ 😉 Wir mussten alle so schmunzeln über diesen wunderbaren Versprecher und eigentlich ist „Wichtelgebäude“ ja auch das viel schönere Wort. Ich möchte diesen Versprecher zum Anlass nehmen, wieder eine Rubrik mit den schönsten Sprüchen meiner Kinder aufzumachen. Es ist lange her, dass ich hier welche veröffentlicht habe, aber es ist nicht so, dass es sie nicht geben würde.

Zurück zum Wichtelgebäude. Nachdem wir geklärt hatten, was das Fichtelgebirge ist, fragte ich M. wie sie sich das Wichtelgebäude vorstellt: „Ein Pilzhaus mit vielen Wichteln darin.“ Mal sehen, ob wir so eines im Fichtelgebirge finden…

Nora Imlau: Meine Grenze ist dein Halt – Kindern liebevoll Stopp sagen

Von Nora Imlau, einer Vertreterin der bedürfnisorientieren Erziehung, hatte ich schon viel gehört, aber noch nichts gelesen, deshalb griff ich sofort zu, als ich dieses Buch bei den Neuerscheinungen in der Bücherei entdeckte.

Imlau, die einen journalistischen Hintergrund hat und eine Erziehungskolumne in der Zeitschrift Eltern schreibt, greift vor allem auf ihren Erfahrungsschatz als mittlerweile vierfache Mutter zurück. In ihrem Buch zitiert sie aber auch bekannte Familienexperten wie den mittlerweile verstorbenen Jesper Juul oder den Kinderarzt Dr. Renz-Polster. Sie schildert typische Alltagssituationen und gibt viele Tipps und praktische Hilfen. So kann man zum Beispiel den Nachwuchs, der lieber noch auf dem Spielplatz bleiben möchte mit „kontrolliertem Nachgeben“ dazu bringen, doch mit nach Hause zu gehen („Noch drei Mal rutschen, dann gehen wir aber.“). Diese Methode praktizieren viele Eltern bereits, bei meiner jüngeren Tochter war und ist sie mir eine große Hilfe.

Ein größeres Geschwisterkind, das nicht gerne teilt, kann man überzeugen, es doch zu tun, indem man Verständnis für seine schwierige Situation aufbringt. Ob es tatsächlich klappt, hängt natürlich immer vom Einzelfall ab. Aber bestimmt ist es einen Versuch wert.

Ich gehöre sicher nicht zu den Eltern, die kein Nein über die Lippen bringen, aber Imlau hat mich davon überzeugt, dass es sich lohnt, auch schon mit kleinen Kindern ein Gespräch zu beginnen und den Sinn bestimmter Regeln zu erklären. Klar gibt es viele Situationen, in denen man als Eltern mal eine Ansage machen muss, das ist nun mal unser Job. Und bei sehr kleinen Kindern muss man manchmal Regeln mit dem Einsatz von körperlicher Gewalt durchsetzen, z.B. wenn das Kind auf die Straße laufen will oder wenn es sich partout nicht im Kindersitz anschnallen lassen will. Imlau bezeichnet das dann als „zugewandtes Durchsetzen“, frei nach dem Motto „Ich weiß, dass du das jetzt nicht magst, aber ich bin deine Mama und ich muss das jetzt machen, um dich zu schützen.“

Spannend fand ich es zu erfahren, dass es in der bedürfnisorientierten Erziehung nicht nur um die Bedürfnisse der Kinder geht. Auch Eltern haben Bedürfnisse und sollten dringend darauf achten, dass diese gestillt werden, damit sie den Familienalltag gut bewältigen können. Wenn wir leicht aus der Haut fahren und nicht so gut auf die Kinder eingehen können, dann liegt das häufig daran, dass wir überarbeitet sind, zu wenig / zu schlecht geschlafen haben, etc.

Imlau rät an dieser Stelle dazu, noch mal die Aufgabenverteilung der Eltern genau anzuschauen (Stichwort: Mental Load) und gibt Beispiele aus ihrem Bekanntenkreis. In einer Familie kümmert sich der Vater um die Organisation sämtlicher Kindergeburtstage und um Kinderarzttermine. Das finde ich bemerkenswert! In einer anderen Familie haben sich die Eltern die Kinder sozusagen aufgeteilt und fungieren jeweils als einziger Ansprechpartner. Der Vater übernimmt die Organisation des Schulkinds und die Mutter nimmt alle Termine des Kindergartenkinds wahr. Diese Variante stelle ich mir kommunikationstechnisch äußerst unpraktisch vor, außerdem möchte ich doch als Mutter über jedes meiner Kinder Bescheid wissen.

Fazit: Sehr viele interessante Denkanstöße. Eine hilfreiche Lektüre für alle Eltern und ein Buch, das ich gern schon früher gelesen hätte 😉