Endlich angekommen an dem Ort, auf den wir uns so sehr gefreut haben. Tränen standen mir in den Augen als die Amtsärztin vor Monaten zu mir am Telefon sagte: „Natürlich bekommen Sie die Kur. Sie sollen ja wieder fit werden.“
Nun sind wir endlich hier. Die lange Anreise aus Bayern (über 10 Stunden) haben wir mit Fassung getragen. Bei unserer Ankunft waren wir so K.O. dass wir nur noch ein schnelles Abendessen im Speisesaal eingenommen und unser Zimmer bezogen haben. Nicht mal mehr zum Meer haben wir es geschafft.
Auf dem Zimmer fand ich einen Therapieplan für die ersten Tage. Am Donnerstag standen viele organisatorische Dinge an: Termin bei der Verwaltung, Aufnahmegespräch beim Arzt, Einführung in Nordic-Walking (Jahrelang habe ich diesen Sport als Senioren-Sport abgetan, aber ich muss sagen, die Wirkung auf den Schulter-Nacken-Bereich ist wirklich erstaunlich. Vielleicht bleibe ich sogar dabei 😊), Hausführung, Kurinfotreffen und Einführung in Wirbelsäulengymnastik.
Das Klima hat mich die ersten Tage schon geschlaucht. Mir war leicht schwindlig von der Luft und ich war sooo müde! Aber das hat sich zum Glück schnell gelegt. Hier auf Borkum sind wir sehr aktiv. Fast jeden Tag am Strand. Die Mädels lieben es, im Sand zu buddeln und Muscheln zu sammeln. Über das erste Wochenende hatten wir uns Fahrräder gemietet, mit denen wir Ausflüge zum Strandcafé Seeblick, zum kleinen Leuchtturm und zum Seerosenteich (inklusive Upholm-Hof) gemacht haben. Hier gibt es so viel zu sehen und zu erleben und alles ist so nah! Man kann wirklich jeden Tag etwas anderes tolles machen!
Irgendwie sind die Tage auch länger, da die Wege kürzer und die Hände weniger geschäftig sind. Zum einen gibt es die Kinderbetreuung, in die meine Mädels zum Glück recht gerne gehen, zum anderen kann ich die Zeit mit den Kindern hier ganz anders genießen. Ich habe einfach keine To-Do-Liste, die ich abarbeiten muss. Während meiner Termine sind die Kinder betreut und danach haben wir einfach freie Zeit zusammen. Kein Haushalt oder Einkauf, der einem im Nacken sitzt. Wir genießen die Zeit!!!
Zwischenbilanz nach einer Woche
Die Mädels und ich haben uns gut eingelebt. Die sportlichen Aktivitäten und der Kontakt mit den anderen Müttern tun mir gut. Das Kneippen um 9 Uhr bei 18 °C in der Nordsee sorgt echt für einen Gute-Laune-Kick! Die viele Zeit, die ich hier für mich selbst habe, tut ihr Übriges. Wenn ich müde bin, lege ich mich hin. Wenn ich Lust, auf einen kleinen Stadtbummel habe, dann bummle ich. Wenn ich am Meer spazieren gehe, gehe ich spazieren. Es ist herrlich!
Ab ca. 15 Uhr bin ich wieder voll für die Kinder da. Dann habe ich auch Lust und Kraft für gemeinsame Unternehmungen, Basteleien, Spiele etc.
JedE/r sollte das Recht auf so eine Auszeit haben. Wir können nicht immer nur funktionieren ohne uns jemals um unsere eigenen Bedürfnisse zu kümmern. JedE/r von uns sollte das Recht haben, einfach mal geradeaus vor sich hin zu starren, nach Herzenslust zu lesen oder sich einfach auszuruhen.
Der Alltag läuft doch für uns berufstätige Mütter meistens so ab: Morgens die Kinder fertig machen, Frühstück zubereiten und die Kinder abliefern. Arbeit, nach Hause hetzen (wenn wir Glück haben mit einem Imbiss intus) oder direkt in die Kita, um die Kleinen abzuholen. Alle nach Hause bugsieren, die Kinder nach ihrem Tag auffangen, Geschwisterstreitigkeiten aushalten, Abendbrot zubereiten, die Kinder fürs Bett fertig machen. Und häufig muss man danach noch eine Schicht am Schreibtisch und/oder im Haushalt einlegen, bevor man selbst total erledigt ins Bett fällt.
Hier auf der Kur hat eine Mutter von 4 Kindern zu mir gesagt, dass das Duschen für sie eine kleine Auszeit von den Kindern ist. Da muss doch mehr drin sein!!! Einige sind alleinerziehend, sie sind natürlich noch mehr erschöpft von dem Alltag mit den Kindern.
Nach der Kur gilt es, die Impulse, die man bekommen hat, weiterzuführen und in den Alltag zu integrieren. Einer meiner Vorsätze wird sein, zwei Mal die Woche Sport zu treiben. Man fühlt sich so viel besser, wenn der Körper in Bewegung ist und es zwickt und zwackt viel weniger… mal sehen, ob ich das umsetzen kann.
Nach Woche Zwei
Ich fühle mich von Tag zu Tag erholter und mein Körper fühlt sich richtig gut durchbewegt an. Diese Woche war ich sogar 1 Mal zusätzlich alleine am Strand walken. Man muss nur vormittags zwanzig Minuten vom Nordbad aus in Richtung FKK-Badestrand laufen, dann wird es schon richtig einsam. Der Wind weht einem um die Nase, man ist mit sich und der tosenden Nordsee alleine. Einfach herrlich!
Heute um 9 Uhr stand wieder Kneippen im Meer auf dem Programm – das werde ich wirklich vermissen! Es sieht so lustig aus, wie alle in Badekleidung Hampelmänner am Strand machen. Nach den drei Gängen (beim dritten geht man ganz ins Wasser) fühlt man sich richtig belebt und der Effekt hält auch noch einige Zeit an. Zuhause bleibt da wohl nur Wechselduschen zur Kreislaufanregung.
Die Kinder waren die letzten Tage etwas knatschig und haben sich arg gestritten. Nun gut, auf unserem Zimmer können sie sich nicht wirklich aus dem Weg gehen. Ich denke, sie vermissen langsam ihre Zimmer als Rückzugsmöglichkeit und ihren gewohnten Alltag. Aber heute Abend reist unser Papa an und wir haben uns für die letzte Woche noch ein paar Highlights aufgehoben wie z.B. die Wattwanderung.
Woche 3
Durch den Besuch meines Mannes bekommt die letzte Woche noch eine ganz eigene Dynamik und fühlt sich mehr an wie Urlaub. Natürlich erfülle ich alle Kurtermine pflichtgemäß. Die Nachmittage und Abende verbringen wir aber zusammen. Zwei Mal haben wir es geschafft, uns für eine Stunde am Vormittag zum Strand zu verabreden (nur zu zweit) – was sehr romantisch war!
Ansonsten waren wir noch mal zu viert im Gezeitenland, haben uns ein lustiges Gefährt gemietet, mit dem wir bis zur Aussichtsdüne Olde Düne geradelt sind und wieder zurück und waren natürlich zusammen am Strand, wo wir uns am letzten Sonntag noch das für Borkum obligatorische Strandzelt gemietet haben. Ein echtes Highlight war die Wattwanderung mit Albertus Akkermann. Die Kinder durften ihre Hände nach Herzenslust in Schlamm versenken, Muscheln ausgraben und dann dabei zugucken, wie sie sich wieder eingraben. Zum Schluss durfte (wer wollte und es wollten fast alle!) man noch kniehoch in den schönen Schlick. Die zwei Stunden vergingen wie im Flug!
Am Abreisetag sind wir mit Sack und Pack um kurz nach 7 durch das menschenleere Borkum zum Bahnhof gelaufen… schön war’s!
Fazit
Anfangs hatte ich vor, hier eine Liste mit den Borkum-Highlights zu veröffentlichen. Aber auf Borkum habe ich gelernt, dass ich gar keine Liste brauche. Hier kann man sich einfach treiben lassen und machen, wozu man Lust hat (und natürlich was der Therapieplan der Kur vorschreibt 😊). Zwei Wochen Zeit sollte man auf jeden Fall mitbringen, damit man das richtige Insel-Gefühl bekommt. Es gibt keinen besseren Ort, um Abstand zu den Dingen zu gewinnen und wieder positive Energie zu tanken. Ich habe in meinen 3 Wochen auf dieser schönen Nordsee-Insel nicht alles „geschafft“ – aber das macht nichts, ich bin mir sicher, dass ich wiederkomme…
