Camping-Wochenende mit der lieben Familie

Nun war es also soweit. Das Camping-Wochenende, das die Klassenelternsprecherin meiner 8-jährigen Tochter im Januar vorgeschlagen hatte und für das wir uns in jugendlichem Leichtsinn prompt angemeldet hatten, stand bevor und fünf Familien wollten gemeinsam ein Wochenende auf einem Zeltplatz in der Oberpfalz verbringen.

Obwohl wir uns vorher noch in einem Camping-Discounter mit dem Nötigsten ausgestattet hatten, mussten wir dann vor Ort feststellen, dass wir zu den am schlechtesten ausgestatteten Campern gehörten. Man muss allerdings dazu sagen, dass zwei der insgesamt fünf Familien waschechte Camper waren und die eine davon mit einem VW-Bully angereist war und die andere mit dem Wohnwagen. Was wir NICHT dabei hatten, waren unter anderem eine Lampe fürs Zelt, Kopfkissen (die wollten wir allerdings einpacken, haben sie dann aber in der Eile vergessen), Korkenzieher, Gaskocher, Campingmöbel (wir hatten nur eine Picknickdecke dabei) und ein Adapter zum Strom beziehen. Einen Hammer für die Heringe hatten wir wohlweislich eingepackt, mussten uns allerdings eingestehen, dass dieser sich als völlig uneffektiv erwies. Das Terrain hatte mit Erde nicht viel zu tun und war wohl eher als Abstellplatz für Wohnwägen und Wohnmobile gedacht, was ja auch den Großteil der Camper ausmachte, als für ein kleines, aber feines Zelt.

Nun denn, nach mehreren missglückten Versuchen unsererseits und vielen argwöhnischen Blicken unserer Platznachbarn erbarmte sich schließlich einer der Wohnwagen-Camper. Mit dem Kommentar „Da kann ich nimmer länger zuschauen“ gab er uns seinen Stahlhammer. Nach mehrmaligem Konsultieren der Aufbauanleitung und etwa eine Viertelstunde später stand unser 4-Mann-Igluzelt schließlich. Was für ein erhebendes Gefühl! Endlich hat man wirklich einmal etwas geschafft!

Die Kinder tollten über den Campingplatz und im angrenzenden Freibad. Wir Erwachsene saßen an einer langen, improvisierten Tafel (Oh Wunder! Jeder zauberte plötzlich noch einen faltbaren Campingstuhl hervor und so gab es auch für mich und meinen Mann Sitzgelegenheiten.) und konnten uns wunderbar unterhalten! Das hätte ich nie für möglich gehalten! Naja, abgesehen von den Pinkelgängen mit unserer 4-jährigen zum wirklich sehr weit abgelegenen Waschhaus oder zum Geschirr spülen…

Als ich mich am Abend zum letzten Mal auf den Weg ins Waschhaus machte, dachte ich bei mir selbst: Was macht eigentlich den Reiz des Campens aus? Warum tun sich die Menschen diese ewig weiten Toilettengänge an und verzichten freiwillig auf ihre Geschirrspülmaschine und anderen Komfort?

Ich denke, es ist die Atmosphäre. Man hilft sich gegenseitig aus – sei es mit einem Hammer, mit einem Klappstuhl oder mit Milch (das Einzige, das wir im Angebot hatten 😉 ), sitzt am Abend bei einem Gläschen Wein beisammen und plauscht. Alle scheinen plötzlich Zeit zu haben. Niemand ist in Eile. Die Kinder schließen schnell Freundschaften, tauschen sogar Telefonnummern und Adressen aus und düsen bis spät in die Nacht mit ihren Rollern oder Fahrrädern über den Zeltplatz. Morgens mit strubbeligen Haaren auf dem Weg ins Waschhaus (Wohin auch sonst?!) wird man freundlich von wildfremden Menschen gegrüßt.

Selbst der stundenlange nächtliche Regen in der zweiten Nacht tat der guten Stimmung keinen Abbruch. Meine 4-jährige will jetzt jedenfalls „ein echter Camper“ werden und auch unsere 8-jährige Prinzessin möchte gerne wieder zum Zelten gehen. Und ich? Ich habe mich bei den anderen Familien nach den besten Campingplätzen in der Region umgehört und zuhause sofort eine Liste mit Dingen geschrieben, die wir beim NÄCHSTEN Mal nicht vergessen dürfen…