Heute möchte ich eine neue junge Erzählerstimme im deutschsprachigen Roman vorstellen, die mich sehr beeindruckt hat.
In ihrem Erstlingswerk erzählt Caroline Wahl (Jahrgang 1995) die Geschichte einer besonderen Geschwisterbeziehung. Tilda und Ida leben in einer langweiligen Kleinstadt und müssen wegen ihrer alkoholkranken Mutter sehr früh erwachsen werden. Tilda, die ältere der beiden, studiert Mathematik, daneben versorgt sie den Haushalt und kümmert sich um ihre kleine Schwester. Mit ihrem Job an der Supermarktkasse trägt sie erheblich zum Familieneinkommen bei. Kraft schöpft sie aus ihrem täglichen Schwimmbadbesuch. Dort schwimmt sie jedes Mal 22 Bahnen.
Es ist eine Zeit des Umbruchs: Tilda steht am Ende ihres Studiums und muss eine wichtige Entscheidung treffen, mit der Mutter ist es ein ständiges Auf und Ab und plötzlich taucht auch noch der geheimnisvolle Viktor im Schwimmbad auf, den Tilda von früher kennt und den noch Gespenster aus seiner Vergangenheit quälen. Ganz langsam nähern sich die beiden Versehrten an.
Die Themen des Romans sind alles andere als leicht – es geht um Alkoholismus, um Verlust, ums Loslassen und ums Erwachsenwerden – dennoch gelingt der Autorin eine besondere Leichtigkeit in der Sprache und sie schafft neue Perspektiven. So errät Tilda beispielsweise anhand der Produkte auf dem Kassenband, welche „Sorte“ Mensch gerade bei ihr einkauft. Alles in allem ein sehr positiver und mutiger Roman, der zeigt, worauf es im Leben wirklich ankommt und wie man an schwierigen Lebenssituationen wächst.
Absolute Leseempfehlung von mir!
