Ein neues Hobby: Weben

Das Weben spukte schon lange in meinem Kopf herum, bis es endlich zu mir fand. Ich kaufe regelmäßig in einer Behindertenwerkstatt ein und dort fielen mir stets die gewebten Sitzkissen ins Auge. „Solche würde ich mir auch gern mal weben!“ dachte ich bei mir. Aber nie kaufte ich den Bausatz für den Webrahmen, schließlich hatte ich keine Zeit. So ging das eine ganze Weile.

Eines Freitagsnachmittags, nach einer harten Arbeitswoche, griff ich schließlich zum Stäbchenwebrahmen und startete noch am Abend mit null Vorkenntnissen mein erstes Webprojekt. Wenn man mit dicken Filzschnüren webt, sieht man schon nach kurzer Zeit Ergebnisse. Das macht Riesenspaß und süchtig nach mehr! Innerhalb kurzer Zeit schaffte ich ein Sitzkissen in nur einer Stunde.

Bald merkte ich, dass mich das Weben total erdet. Die Arbeit ist vergessen und ich konzentriere mich nur auf meine geschäftigen Hände, bin einfach im Hier und Jetzt. Wenn ich merke, dass das negative Gedankenkarussell anspringt, webe ich besonders gerne. Ich habe mir vorgenommen, diese negative Energie umzuwidmen und es gelingt oft.

Zum Glück wünschte sich meine Mutter einen Satz Sitzkissen zu Weihnachten. Ich bestellte mir ein riesengroßes Wollknäuel und machte mich an die Arbeit. Das Schönste daran: meine Mutter und ich hatten gleichermaßen Freude an dem Geschenk. Ich beim Weben und meine Mutter freute sich über das Endprodukt. Ich werde sicher noch mehr Familienmitglieder und Freunde mit meinen gewebten Werken beglücken 😉

Maulwurf der ich bin, tauchte ich tiefer in die Geschichte des Webens ein, besorgte mir günstig einen gebrauchten Webrahmen mit Wendekamm und Bücher mit Anleitungen. Ich fing an, filigraner zu weben. Ich muss sagen, der Anfang war härter als gedacht. Man muss den Webrahmen sehr exakt bespannen, man kann dabei sehr viel falsch machen und es dauert viel länger, bis man Ergebnisse sieht. Nichtsdestotrotz stellt sich das gleiche Gefühl ein: die geschäftigen Hände und die Ruhe im Kopf. Mal sehen, wo das alles noch hinführt. Nach einem Übungsstück mit einem ersten Muster, habe ich einen Schal im Hahnentrittmuster gewebt. Meine nächsten Projekte sind ein Tischläufer und Kissenbezüge. Ich bin froh und dankbar, diese Art der Entspannung für mich entdeckt zu haben! Sie hat mich gut durch die Zeit meines Leistenbruchs gebracht, in der ich mich kaum bewegen konnte.