Der Weihnachtshund von Daniel Glattauer

Bei meinem letzten Besuch in der Stadtbibliothek habe ich dann doch mal Halt am Weihnachtsregal gemacht und diese lustige Geschichte mitgenommen. Daniel Glattauer erzählt in einer unvergleichlichen und trockenen Art von zwei Einzelgängern, die in der Vorweihnachtszeit zufällig miteinander in Kontakt treten und es entspinnt sich eine wundervolle Geschichte, die man nicht mehr aus der Hand legen mag.

Der beziehungsunfähige Kreuzworträtsel-Redakteur Max sucht eine Betreuung für seinen Hund Kurt, da er dem Weihnachtsfest entfliehen und die Feiertage auf den Malediven verbringen will. Es meldet sich die (zum Leidwesen ihrer Eltern immer noch unverheiratete) Endzwanzigerin Katrin, die eigentlich mit Hunden gar nichts am Hut hat und diesen nur als Ausrede benutzen möchte, damit sie an Heiligabend nicht zu ihren Eltern muss.

Das gegenseitige Desinteresse aneinander könnte nicht größer sein. Nach ersten knappen Nachrichten (Emails spielen eine wichtige Rolle!) treffen sich die Beiden mehrmals, Hund Kurt nächtigt erstmals bei Katrin und es könnte sich eine vorweihnachtliche Romanze zwischen den beiden verschrobenen Menschen entwickeln. Allerdings leidet Max an einem (sehr lustigen!) Problem, das wirklich jede Beziehung verhindert…

Allzu viel möchte ich hier nicht verraten. Das rund 200 Seiten starke Buch bietet wirklich jede Menge Lesegenuss und der Humor kommt dabei nicht zu kurz! Lange kein so lustiges Buch mehr gelesen 🙂

Ralf Westhoff: Niemals nichts

Juhu, endlich wieder Zeit zum Lesen! Ich freue mich sehr, schon den nächsten Buchtipp zu veröffentlichen. Ich fand den im April diesen Jahres erschienenen Roman des Münchner Drehbuchautors bei den Neuerscheinungen.

Das 220 Seiten starke Buch spielt Anfang des 19. Jahrhunderts und erzählt die Geschichte der Jungbauern Liza und Maximilian, die um ihre bäuerliche Existenz kämpfen müssen. Der alte Bauer hat einfach über Nacht hingeschmissen, den Familienhof beliehen und sich auf den Weg nach Amerika gemacht. Nun müssen die Jungen schauen, wie sie den Karren aus dem Dreck ziehen. Lizas Wissbegierde und ihr Geschäftssinn sind dabei von großem Vorteil und natürlich ihre große Zuneigung zu Maximilian, der unter epileptischen Anfällen und infolgedessen auch an einem Sprachfehler leidet.

Es ist spannend zu lesen, wie alte Strukturen in Frage gestellt werden und wie sich eine junge Frau in der damaligen Zeit Respekt verschafft. Und man lernt: wer viel fragt, erfährt auch viel. Liza denkt sich: Wieso das Korn den Kornhändlern zu einem Spottpreis verkaufen wenn man auch selbst gutes Brot backen und verkaufen kann? Nicht jeder kann mit den neuen Ideen etwas anfangen und so wird die Familie bald von der Dorfgemeinschaft isoliert. Weitere Schicksalsschläge kommen hinzu und so spitzt sich die dramatische Situation der Jungbauern weiter zu…

Westhoff lässt abwechselnd Liza und den flüchtenden Altbauern Andres zu Wort kommen, den auf der Reise doch noch sein Gewissen einholt. Das Buch ist sehr fesselnd geschrieben. Das Ende wird natürlich nicht verraten, nur so viel: mein Geschmack sind diese Arten von Ende nicht. Aber dem Lesegenuss hat es keinen Abbruch getan, insofern kann ich die Lektüre von „Niemals nichts“ getrost empfehlen!

Jürgen Teipel: Aber ich kann fliegen

Ein Buch, das mich diesen Sommer sehr berührt hat. Schonungslos und in schlichter Sprache erzählt Teipel von der Aufarbeitung seiner Kindheit und von seiner Selbstfindung.

Das Buch beginnt mit der Zeit als er, bereits im Erwachsenenalter, am Rande der Gesellschaft lebt und illegal über einem Kino haust. Mosaikartig erhält der Leser Einblicke in Teipels verschiedene Lebensstationen: die frühe Kindheit in Kulmbach, der für ihn nur sehr schwer zu verwindende Umzug der Familie nach Regensburg, das ewige Schikaniertwerden in der Schule, der Beginn einer Beamtenkarriere (die sich dann doch als nicht passend herausstellt), sein wachsendes Interesse an der Punkszene und schließlich seine Anfänge als Schriftsteller.

In kursiv gedruckten Einschüben meldet sich das innere Kind zu Wort und der Leser erfährt so einiges über Teipels intensives Gefühlsleben, auch Träume werden skizziert.

Die Reise zu sich selbst wird begleitet von einem Herrn vom DuMont-Verlag, der von Anfang an an Teipel glaubt und der mit ihm eine lebenslange Brieffreundschaft unterhält. Weitere wichtige Bausteine sind Gesprächstherapie, Meditation und nicht zuletzt Körpertherapie. Mithilfe dieser Werkzeuge gelingt es Teipel, alte Denkmuster abzustreifen und körperliche Angstzustände loszuwerden. Er kann echte Nähe zulassen und Beziehungen zu anderen Menschen eingehen.

Selbst ein milder Blick auf die Eltern, die mit ihrem sensiblen Sohn überfordert waren, vor allem auf den harten Vater, wird möglich. Das Verhältnis der beiden verbessert sich ungemein und vor dessen Tod kommt es sogar zur Aussöhnung.

Ein mutiges und inspirierendes Buch!