Jürgen Teipel: Aber ich kann fliegen

Ein Buch, das mich diesen Sommer sehr berührt hat. Schonungslos und in schlichter Sprache erzählt Teipel von der Aufarbeitung seiner Kindheit und von seiner Selbstfindung.

Das Buch beginnt mit der Zeit als er, bereits im Erwachsenenalter, am Rande der Gesellschaft lebt und illegal über einem Kino haust. Mosaikartig erhält der Leser Einblicke in Teipels verschiedene Lebensstationen: die frühe Kindheit in Kulmbach, der für ihn nur sehr schwer zu verwindende Umzug der Familie nach Regensburg, das ewige Schikaniertwerden in der Schule, der Beginn einer Beamtenkarriere (die sich dann doch als nicht passend herausstellt), sein wachsendes Interesse an der Punkszene und schließlich seine Anfänge als Schriftsteller.

In kursiv gedruckten Einschüben meldet sich das innere Kind zu Wort und der Leser erfährt so einiges über Teipels intensives Gefühlsleben, auch Träume werden skizziert.

Die Reise zu sich selbst wird begleitet von einem Herrn vom DuMont-Verlag, der von Anfang an an Teipel glaubt und der mit ihm eine lebenslange Brieffreundschaft unterhält. Weitere wichtige Bausteine sind Gesprächstherapie, Meditation und nicht zuletzt Körpertherapie. Mithilfe dieser Werkzeuge gelingt es Teipel, alte Denkmuster abzustreifen und körperliche Angstzustände loszuwerden. Er kann echte Nähe zulassen und Beziehungen zu anderen Menschen eingehen.

Selbst ein milder Blick auf die Eltern, die mit ihrem sensiblen Sohn überfordert waren, vor allem auf den harten Vater, wird möglich. Das Verhältnis der beiden verbessert sich ungemein und vor dessen Tod kommt es sogar zur Aussöhnung.

Ein mutiges und inspirierendes Buch!