Abschied von Größe 36

Dieses Jahr (in wenigen Wochen!) werde ich 39. Bisher hatte ich noch keine großen Probleme mit dem Älterwerden – naja, abgesehen von der zunehmenden Zahl grauer Haare (ist aber noch nicht so schlimm, dass ich färben müsste!) und dem Altersfleck an meiner rechten Hand, den ich bei einer Routineuntersuchung meinem Hautarzt gezeigt habe. Also, wenn ich so eine Berliner Mieze wäre, meinte er, dann würde er ihn mir weglasern, aber so…

Kurzum, ich hatte schon festgestellt, dass ich nicht mehr zu den Jüngsten gehörte, aber so richtig gestört hat mich bis vor kurzem noch nichts. Bis zu dem Tag, an dem ich nicht mehr in meine Lieblingsjeans passte!! Größe 34 hatte ich in diesem Frühjahr nach langem Aufbewahren im Kleiderschrank (vielleicht würde ich zweifache Mutter ja doch noch irgendwann wieder da rein passen…) schweren Herzens endgültig aussortiert und einem gemeinnützigen Secondhand-Shop gespendet. Aber dass ich nun, nur wenige Monate später, eigentlich auch nicht mehr richtig in die 36 passe, das war dann doch ein mittelschwerer Schock für mich. Sage und schreibe 6 Hosen musste ich aussortieren, zwei, die grenzwertig sind (in Wirklichkeit auch zu eng), habe ich noch behalten und ansonsten müssen doch jetzt tatsächlich neue in Größe 38 angeschafft werden!!

Irgendwie hat mich das unvorbereitet getroffen 😉 Im Sommer trage ich gerne Kleider und Röcke, da fällt das mit der Kleidergröße nicht so auf. Und irgendwie habe ich scheinbar ganz unbewusst auch dann, wenn ich mal eine Hose anziehen wollte, lieber zu der mit Gummizugbund gegriffen… schon merkwürdig! Und jetzt stehe ich hier, zu Beginn des Herbstes und habe nichts anzuziehen!!

Na gut, denke ich mir, nachdem ich der Realität ins Auge geblickt habe, dann kaufe ich eben ab sofort eine Nummer größer. Ist ja kein Weltuntergang. Mit knapp 40 muss ich doch nicht mehr in diese engen Teile passen. Ich muss niemandem mehr was beweisen. Schön anziehen kann man sich trotzdem. Ich werde bestimmt keine Kilos runterhungern. Wir haben das Glück in einer Zeit zu leben, in der man sich als Frau so zeigen kann, wie man ist. Jede Frau ist auf ihre Art schön und wir nicht mehr ganz so jungen Frauen sind weit davon entfernt, irgendwelchen Maßen oder Schönheitsnormen nachzueifern. Ich hoffe, es gelingt mir, diese Botschaft auch an meine Töchter weiterzugeben.

Deshalb: ein Hoch auf die 38!

Füße waschen verboten

Kinder wollen ja bekanntlich immer alles ganz genau wissen, vor allem Verbote stellen sie gern in Frage.

An einer Raststätte in Österreich auf der Fahrt in den Urlaub beschäftigte meine beiden Töchter ein Verbotsschild auf der Toilette ungemein: es handelte sich um einen durchgestrichenen Fuß. Beide Mädels waren total irritiert: Wieso sollte jemand auf die Idee kommen, sich im Waschbecken die Füße zu waschen? Meine Erklärungen konnten sie in keinster Weise überzeugen. Immer wieder fragten sie mich: „Mama, warum ist das Schild da?“

Schließlich, am Tag der Rückfahrt und bereits wieder in Deutschland, erhielten sie eine mehr als befriedigende Antwort. Ich war mit den Mädchen in einer Raststätte auf der Toilette. Die Große und ich waren noch beim Händewaschen, die Kleine bereits rausgeflitzt. Plötzlich stand sie wieder vor uns, völlig aufgeregt: „Mama, da wäscht sich einer die Füße!!“ – Die Große und ich wussten natürlich sofort was sie meinte. Wir verließen die Damentoilette und konnten nicht anders als einen Blick in die danebenliegende Herrentoilette zu werfen. Tatsächlich, ein ziemlich beleibter älterer Herr hielt seine Füße, die in Badelatschen steckten, einen nach dem anderen unter das Waschbecken und wusch sie dort! Meinen Respekt vor so viel körperlicher Akrobatik! Meine Mädels blieben im Türrahmen stehen und verfolgten das Schauspiel mit großen Augen. Ich hingegen, drückte mich schnell an der Toilette vorbei, konnte allerdings einen Lachanfall im Flur nicht verhindern.

Jetzt machte das Füßewaschverbotsschild absolut Sinn für meine Kinder und sie waren sich einig, dass an dieser Raststätte dringend eines aufgehängt werden müsste!!

Camping-Wochenende mit der lieben Familie

Nun war es also soweit. Das Camping-Wochenende, das die Klassenelternsprecherin meiner 8-jährigen Tochter im Januar vorgeschlagen hatte und für das wir uns in jugendlichem Leichtsinn prompt angemeldet hatten, stand bevor und fünf Familien wollten gemeinsam ein Wochenende auf einem Zeltplatz in der Oberpfalz verbringen.

Obwohl wir uns vorher noch in einem Camping-Discounter mit dem Nötigsten ausgestattet hatten, mussten wir dann vor Ort feststellen, dass wir zu den am schlechtesten ausgestatteten Campern gehörten. Man muss allerdings dazu sagen, dass zwei der insgesamt fünf Familien waschechte Camper waren und die eine davon mit einem VW-Bully angereist war und die andere mit dem Wohnwagen. Was wir NICHT dabei hatten, waren unter anderem eine Lampe fürs Zelt, Kopfkissen (die wollten wir allerdings einpacken, haben sie dann aber in der Eile vergessen), Korkenzieher, Gaskocher, Campingmöbel (wir hatten nur eine Picknickdecke dabei) und ein Adapter zum Strom beziehen. Einen Hammer für die Heringe hatten wir wohlweislich eingepackt, mussten uns allerdings eingestehen, dass dieser sich als völlig uneffektiv erwies. Das Terrain hatte mit Erde nicht viel zu tun und war wohl eher als Abstellplatz für Wohnwägen und Wohnmobile gedacht, was ja auch den Großteil der Camper ausmachte, als für ein kleines, aber feines Zelt.

Nun denn, nach mehreren missglückten Versuchen unsererseits und vielen argwöhnischen Blicken unserer Platznachbarn erbarmte sich schließlich einer der Wohnwagen-Camper. Mit dem Kommentar „Da kann ich nimmer länger zuschauen“ gab er uns seinen Stahlhammer. Nach mehrmaligem Konsultieren der Aufbauanleitung und etwa eine Viertelstunde später stand unser 4-Mann-Igluzelt schließlich. Was für ein erhebendes Gefühl! Endlich hat man wirklich einmal etwas geschafft!

Die Kinder tollten über den Campingplatz und im angrenzenden Freibad. Wir Erwachsene saßen an einer langen, improvisierten Tafel (Oh Wunder! Jeder zauberte plötzlich noch einen faltbaren Campingstuhl hervor und so gab es auch für mich und meinen Mann Sitzgelegenheiten.) und konnten uns wunderbar unterhalten! Das hätte ich nie für möglich gehalten! Naja, abgesehen von den Pinkelgängen mit unserer 4-jährigen zum wirklich sehr weit abgelegenen Waschhaus oder zum Geschirr spülen…

Als ich mich am Abend zum letzten Mal auf den Weg ins Waschhaus machte, dachte ich bei mir selbst: Was macht eigentlich den Reiz des Campens aus? Warum tun sich die Menschen diese ewig weiten Toilettengänge an und verzichten freiwillig auf ihre Geschirrspülmaschine und anderen Komfort?

Ich denke, es ist die Atmosphäre. Man hilft sich gegenseitig aus – sei es mit einem Hammer, mit einem Klappstuhl oder mit Milch (das Einzige, das wir im Angebot hatten 😉 ), sitzt am Abend bei einem Gläschen Wein beisammen und plauscht. Alle scheinen plötzlich Zeit zu haben. Niemand ist in Eile. Die Kinder schließen schnell Freundschaften, tauschen sogar Telefonnummern und Adressen aus und düsen bis spät in die Nacht mit ihren Rollern oder Fahrrädern über den Zeltplatz. Morgens mit strubbeligen Haaren auf dem Weg ins Waschhaus (Wohin auch sonst?!) wird man freundlich von wildfremden Menschen gegrüßt.

Selbst der stundenlange nächtliche Regen in der zweiten Nacht tat der guten Stimmung keinen Abbruch. Meine 4-jährige will jetzt jedenfalls „ein echter Camper“ werden und auch unsere 8-jährige Prinzessin möchte gerne wieder zum Zelten gehen. Und ich? Ich habe mich bei den anderen Familien nach den besten Campingplätzen in der Region umgehört und zuhause sofort eine Liste mit Dingen geschrieben, die wir beim NÄCHSTEN Mal nicht vergessen dürfen…