Weisheiten einer 5-jährigen

Oh ja, die Kleine ist mittlerweile ein Vorschulkind. Hier die aktuellste Begebenheit:

An der festlichen Kaffeetafel anlässlich der Erstkommunion ihrer großen Schwester fragt sie laut und deutlich in einem Moment der Stille: „Wieso hat der Opa der Oma nicht geholfen? Wieso hat er dich nicht abgeputzt?“ [Anmerkung: Meine Eltern sind seit 27 Jahren aus gutem Grund geschieden. Ihr Verhältnis ist mal besser mal schlechter, zurzeit tolerieren sie sich nur.]

„Hilfe, was mach ich nur! Was, wenn die Stimmung kippt?“ denke ich. Einen Moment lang konsternierte Gesichter in der Runde. Dann verteidigt sich mein Vater lautstark:“Hast du eine Ahnung!“ – Meine Mutter, am anderen Ende des Tisches (Wo auch sonst?), schüttelt energisch mit dem Kopf. „Die Jungs hab ich wohl gewickelt, bei dir (ich bin das dritte Kind) weiß ich nicht mehr so genau…“ – Die Rettung kommt von meinem Bruder: „Also ich kann mich nicht mehr daran erinnern“, meint er mit einem Augenzwinkern und fragt in die Runde: „Oder kann sich hier irgendjemand daran erinnern?“ – Allgemeines Gelächter und das Thema ist vom Tisch. Puh, das ist ja noch mal gut gegangen 😉

Heute früh, auf dem Weg zum Kindergarten, fragt M. mich: „Mama, wer in deiner Arbeit hat Corona?“ Schnell sage ich: „Niemand.“ Und denke bei mir: „Oh weh, hoffentlich sagt sie nichts im Kindergarten…“ [An der Schule, an der ich unterrichte, haben wir tatsächlich einen Fall, aber alle, die irgendwie davon betroffen sind, sind längst in Quarantäne.] Jedenfalls wurde M. nicht nach Hause geschickt. Aber so wie’s aussieht, wird es noch viiiiiiiiiiiiiiiiel Stoff für diese Rubrik geben… wär ja sonst auch langweilig, oder? 😉

Plan B

Eigentlich sollte es nach Südfrankreich gehen  – in ein Mobilheim auf einen Campingplatz mit Streichelzoo, riesigem Swimmingpool und allem, was das Kinderherz so begehrt. Und natürlich wollten wir auch einen Abstecher nach Spanien machen, da der Campingplatz nur ca. 30 km vor der Grenze liegt. Und dann kam Corona.

Ja, ich weiß – auch sehr viele von Euch mussten ihre Pläne ändern. Flexibilität haben wir wohl alle gelernt in dieser Zeit.

Jedenfalls konnte ich den Urlaub nicht einfach so stornieren und meine Reiserücktrittsversicherung, die ich vorausschauend abgeschlossen hatte, griff nicht bei Corona (Wieso kann mir eigentlich keiner erklären, warum??).

Nun denn, ich konnte den Urlaub umbuchen – aus dem Mobilheim in Südfrankreich wurde ein Familienzelt im Schwarzwald 🙂

Letzte Woche war es nun soweit und so starteten wir unsere Campingerfahrung Nummer drei. Unser Familienzelt stand am Rande des idyllischen Campingplatzes Kinzigtal etwa 20 Autominuten von Offenburg entfernt. Wir hatten die letzte Zeltreihe und somit beim Frühstück vor unserem Zelt einen herrlichen Ausblick ins Tal und konnten direkt vom Zelt aus kleine Wanderungen starten. Anstelle des Swimmingpools konnten wir kostenlos ins direkt angrenzende und ganz frisch sanierte Freibad der Gemeinde gehen – ein echtes Highlight für die Kinder. Selten waren wir so oft an der frischen Luft wie in diesem Urlaub! Das Wetter war fast die ganze Woche schön und so musste jeden Tag ein anderer Hügel erklommen oder ein anderer Spielplatz entdeckt werden! Der Schwarzwald ist wirklich ein tolles Ziel für Urlaub mit kleineren Kindern!

Und unser Familienzelt? Hat seinen Zweck gut erfüllt. Es war sehr geräumig und hatte zusätzlich zu einem großen Innenraum zwei Schlafkabinen, eine mit Doppelbett und eine mit zwei Einzelbetten, und eine kleine Kochecke mit Kühlschrank und Gaskocher. Nur auf fließendes Wasser und eigene Toilette/Dusche mussten wir verzichten. Morgens und abends haben wir uns eigentlich immer selbst versorgt, tagsüber waren wir meist unterwegs. Nur das Geschirrspülen hat nicht so viel Spaß gemacht – darum haben wir uns immer gezankt. Aber dafür wissen wir unsere Geschirrspülmaschine hier in der Wohnung wieder so richtig zu schätzen 🙂

Obwohl wir am Nachmittag noch gut ins Freibad konnten, waren die Nächte im Zelt schon ganz schön frisch. Die Kinder krochen oft im Laufe der Nacht zu uns Doppelbett und so haben wir dann eng aneinander gekuschelt bis zum Morgen geschlafen.

Für diejenigen von Euch, die sich auch für einen Urlaub im Schwarzwald interessieren, hier noch unsere Highlights:

  • Wald- und Erlebnispfad Bächlewald in Haslach. Ein wirklich schöner Waldspaziergang – allerdings müssen die Kinder sehr lange laufen, bis die Spielstationen kommen. Am Startpunkt liegt ein Gasthaus mit Biergarten und schönem Spielplatz.
  • Park mit allen Sinnen in Gutach. Ein sehr langer und abwechslungsreicher Barfußpfad. Die Hartgesottenen waten auch barfuß durch den Schlamm – ein herrliches Gefühl! Meine Füße waren nach der Runde wunderbar durchmassiert.
  • Sommerrodelbahn in Gutach
  • Wanderung zu 3 Spielplätzen von Steinach nach Bollenbach und wieder zurück. Die Wanderung ist in einem kleinen kostenlosen Wanderführer der Gemeinde Steinach beschrieben.
  • Abenteuerpfad in Hausach mit sehr vielen Spielstationen für Kinder (und zwar von Anfang an!)
  • Deutschlands höchste Wasserfälle in Triberg: sehenswert, aber SEHR touristisch! Achtung, Abzocke: an jeder Kasse wird ein Beutelchen Erdnüsse als Futter für Eichhörnchen verkauft. Bitte nicht kaufen, wir haben kein einziges gesehen und sind der Meinung, dass sich irgendjemand mit den Erdnüssen eine goldene Nase verdient…
  • Tagesausflug nach Freiburg

So, dann habe ich heute mal ein bisschen Werbung für den Schwarzwald gemacht 🙂

Noch mehr gute Tipps findet Ihr auf der Seite von CampingNerd https://campingnerd.de/schwarzwald/

Wir würden jederzeit wieder hinfahren! Aber für nächstes Jahr mache ich lieber noch keine Urlaubspläne… wie haltet Ihr das?

Die 4 lässt grüßen

Et voilà, meine neuesten Errungenschaften aus dem Drogeriemarkt: eine straffende Augencreme und eine Lesebrille.

Wie es dazu kam? Vorgestern früh habe ich etwas zerknautscht in den Spiegel gekuckt und unter dem rechten Auge etwas entdeckt, das vorher definitiv NICHT da war… kurzes Innehalten und Entsetzen. Nach eingehender Inspektion musste ich zugeben: Jetzt ist es soweit! Ich kann das Alter nicht länger wegignorieren. Sofort setzte ich gedanklich die Antifalten-Creme auf die Einkaufsliste.

Und die Lesebrille? Seit einigen Wochen verschwimmt das Sichtfeld beim abendlichen Lesen in meinem Buch, ich habe das Gefühl, der Hintergrund drängt sich in den Vordergrund (sorry an alle Brillenträger – ich hab echt null Ahnung, für mich ist das absolutes Neuland). Als meine Mutter diese Woche hier war, hab ich sie vorsichtig gefragt, seit wann sie ihre Brille hat. Ja, also, sie wäre schon weit über 50 gewesen, war die erste Auskunft. Aber nach einigem Überlegen meinte sie dann doch, dass sie die Lesebrille so mit 40 gebraucht hätte – ich solle mir doch mal so eine aus dem Drogeriemarkt zum Testen holen. Gesagt, getan. Ich muss sagen, dasss Aha-Erlebnis war enorm! Jetzt muss ich beim Lesen nicht mehr die Augen zusammenkneifen und der Hintergrund drängt sich nicht mehr in den Vordergrund… habe die Lesebrille heute auch schon beim nachmittäglichen Malen mit den Kindern getestet und für gut befunden – auch, wenn ich nach Aussagen meiner inzwischen 5-jährigen mit der Brille „ekelhaft“ aussehe 🙂

Sie wird sich schon noch daran gewöhnen…

Und ich? Ich lerne, die Dinge zu akzeptieren, so wie sie sind.

Ich bin froh, dass ich keine zwanzig mehr bin.

Ich freue mich

-über Lebenserfahrung,

-darüber, dass ich nicht mehr jedem Trend hinterherlaufen muss,

-darüber, dass ich weiß, was mir guttut und was nicht,

-darüber, dass ich endlich nicht mehr „Everybody’s Darling“ sein muss!

Deshalb: ein Hoch auf die nahende 40!!!

Leben im Mehrgenerationenhaus in Coronazeiten – es geht wieder bergauf

Endlich, es gibt sie wieder – die Momente, die mich spüren lassen, warum ich hier eingezogen bin!

Ein Sonnwendfeuer am Sommeranfang – abgehalten zwischen zwei Regenpausen – bringt eine Runde von Menschen (natürlich mit dem gebotenen Abstand!) im Garten zusammen.

Friedlich und auch ein bisschen demütig sitzen wir da, die Atmosphäre ist ruhig.

Die Kinder stromern zu später Stunde noch durch den Garten.

Heute geht es mal nicht darum, was wen stört und wer wann wie viel Krach macht.

Heute wollen wir einfach nur ein bisschen sitzen und plaudern und spüren, was uns mit den Menschen verbindet, mit denen wir vor 6 Jahren in dieses Wohnprojekt gezogen sind.

Nicht nur meine Seele atmet auf…

Ein Mehrgenerationenhaus in der (Corona-)Krise

Wir leben in einem Mehrgenerationenhaus mit über 60 Mietparteien und einem großen Gemeinschaftsgarten. Nicht gerade eine einfache Wohnform zur Zeit. Der heutige Tag sowie die letzten Wochen und Monate haben mich zu diesem Text inspiriert.

Wir haben uns bewusst für diese Wohnform entschieden.

Wir teilen

-einen wunderschönen Garten,

-einen Raum, in dem wir uns normalerweise oft und gerne treffen,

-viele schöne Momente bei gemeinsamen Festen.

Jetzt, da das Gewohnte weggebrochen ist und wir sozusagen „zwangssepariert“ sind

-fällt vielen die Decke auf den Kopf.

Da ist die Angst, sich anzustecken.

Da sind die langen, gleichförmigen Tage, die es zu bewältigen gilt.

Und was tun wir?

Gucken, wer bei wem ein- und ausgeht,

Fangen Streit an,

Überlegen, wer krank sein könnte,

Regen uns immer wieder über den Lärm der spielenden Kinder im Hof auf, anstatt uns daran zu erfreuen.

Die Krise macht uns definitiv NICHT zu besseren Menschen…

Und an Tagen wie diesen frage ich mich: Werden wir diese Krise unbeschadet überstehen?

Wo sind sie hin?

Die Toleranz, das gegenseitige Verständnis, das Mitgefühl und, vor allem, die Unbeschwertheit.

Bitte, kommt zurück!!!

Unruhige Zeiten

Alles nicht so einfach im 21. Jahrhundert. Ständig kommt irgendeine Eilmeldung auf unserem Smartphone an, die Gedanken anderer Menschen prasseln in Form von Whatsapp-Nachrichten oder Meldungen über Statusänderungen auf uns ein und ständig muss ich entscheiden: Wichtig oder unwichtig? Muss ich mich jetzt damit befassen oder nicht? Oft reicht es später, aber weil ich nun mal schon die Überschrift gelesen habe, kann ich es ja gleich zu Ende lesen… Und so ertappe auch ich mich immer häufiger in den unmöglichsten Posen, den Blick fest ins Smartphone gerichtet, nur noch dies oder jenes zu Ende lesend…

Ist noch gar nicht so lange her, dass ich in der Arbeit auf der Damentoilette das Handy einer Kollegin gefunden und sie damit aufgezogen habe. Aber wie heißt es so schön? Man soll nie nie sagen…

Wie wohltuend ist es, morgens das Handy am Ladekabel liegen zu lassen oder wenn tatsächlich der Akku leer ist (beides kommt bei mir glücklicherweise des Öfteren vor) – nein, noch nie ist die Welt davon untergegangen und meine Kinder hatten an diesen Tagen keinen Notfall.

Vor einigen Wochen hatte ich in der Straßenbahn eine Begegnung mit einer vermutlich psychisch kranken aber auf alle Fälle sehr einsamen alten Frau. Kaum hatte sie mir gegenüber Platz genommen, brach das Elend auch schon aus ihr heraus. Sie erzählte mir, dass sie allein lebe und mit niemandem in ihrem Haus Kontakt habe. Alle, auch ihre Enkelkinder, würden immer nur in ihr Handy hineinschauen und niemand höre ihr mehr zu. Tränen standen in ihren Augen, als sie das sagte.

Dieser Eintrag soll nicht nur über das Thema „Fluch und Segen des Smartphone“ gehen, mit dem man zweifellos mehrere Bände füllen könnte – nein, ich möchte auch noch ein anderes Gefühl thematisieren, das mich momentan sehr beschäftigt und das sicher auch von den Meldungen, die auf meinem Smartphone eintreffen, geschürt wird: ANGST.

Es passieren so viele Dinge auf der Welt: Anschläge, wie der in Frankfurt-Hanau und die weltweite Ausbreitung des Corona-Virus. Erst gestern saß ich mit meiner Familie in einem Döner-Laden und dachte daran, dass jederzeit ein Irrer hereinstürmen und uns abknallen könnte. In meiner Kollegen-Whatsapp-Gruppe trafen ständig Kommentare zu den neuesten Corona-Fällen in Deutschland ein…

Jetzt, am Abend, wo ich diese Zeilen verfasse, bin ich ruhig und weiß, dass all die Panikmache nichts bringt… aber es fällt mir wahrlich nicht immer leicht, all die Nachrichten auszublenden und ganz normal weiterzumachen. Ich glaube, dass derzeit nichts so wichtig ist wie ACHTSAMKEIT. Sich besinnen auf den Moment, wahrnehmen, was ist und sich immer nur auf den nächsten Schritt konzentrieren. Nur so können wir in Zeiten wie diesen gesund bleiben und weitermachen. Schließen möchte ich meinen Blogeintrag mit diesem schönen Spruch:

„Das Gestern ist Geschichte, das Morgen ein Rätsel und das Heute ein Geschenk.“

Irgendwann kommt alles zurück.

Heute wurde ich wieder einmal mit dem Erlangen einer tieferen Einsicht in das Leben beschenkt. Ich zähle zu den freundlichen, mitfühlenden und in der Regel überaus hilfsbereiten Zeitgenossen. Manchmal zermürbt mich der Alltag oder ich staune über die mangelnde Empathie anderer Personen – dann hadere ich mit mir und bin unzufrieden. Dann möchte ich auch gerne mit Scheuklappen durchs Leben gehen, wie es viele tun.

Im Moment bin ich sehr überarbeitet und fühle mich erschöpft und ich erfahre, dass ich auch tatsächlich etwas zurückkriege. Ein aufmunterndes Lächeln auf dem Flur von einer Kollegin, sogar eine mir zuliebe geopferte Freistunde inklusive Essenslieferung (das ist wirklich kaum zu toppen!), ein lieber Schüler, der noch mal umdreht, um mir die Tür aufzuhalten. Ein Weiterer, der im letzten Jahr die Nachprüfung bei mir knapp bestanden hatte, der im Pausengewühl bemerkt hat, dass mir ein Schlüsselanhänger mit dem Bild meiner Kinder (den hätte ich wirklich sehr vermisst!) vom Schlüsselbund abgegangen war und ihn mir hinterhertrug… Eine Schülerin, die mir ungefragt wieder eine Liste ihrer aktuellen spanischen Lieder gemacht hat, damit ich am Puls der Zeit bleibe… da spüre ich, dass sich dieses Leben, diese Hinwendung zu anderen Menschen lohnt. Es zeigt mir auch, dass ich auch mal schwach sein und die Hilfe anderer annehmen darf.

Und: das Leben ist keine mathematische Gleichung. Man darf nicht erwarten, dass man für alles, was man tut, sofort etwas zurückbekommt. Aber irgendwann, meist ganz unverhofft, wird man dafür belohnt und das ist ein wunderschönes und inniges Gefühl!

Eine Mutter am Rande des Nervenzusammenbruchs oder: Der ganz normale Alltag…

Es ist ja nicht so, dass ich nicht wüsste, was mich erwartet. Ein langer Arbeitstag ohne richtige Mittagspause, auf dem Heimweg noch schnell was zu Futtern am Bahnhof geschnappt, kurzer Zwischenstopp zuhause. Essen futtern, Rucksack abstellen. Verpflegung für die Kids einpacken (Wehe wenn ich nichts dabei habe!) und dann zu Fuß zur Kita laufen. Soweit so gut. In flottem Tempo gehe ich die 15 Minuten zum Kindergarten. Klar freue ich mich darauf, meine Tochter abzuholen. Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude…

Kaum bin ich am Kindergarten angelangt, geht das Drama los. Die gebastelten oder gemalten Werke müssen bewundert und äußerst pfleglich eingepackt werden, am besten ohne Unterstützung der Mutter… überhaupt, egal was ich ab diesem Zeitpunkt tun werde, es wird sowieso falsch sein. Hm, was gibt es noch zu erledigen? Hausschuhe ausziehen. Einfach Klettverschluss aufmachen und rausschlüpfen, puh, das geht zum Glück ganz leicht. Meist auch, wenn man schlecht gelaunt ist. Dann: Jacke und Mütze sowie den Kindergartenrucksack vom Garderobenhaken nehmen, sich anziehen und dann zum Eingangsflur gehen, wo die Straßenschuhe stehen. Hier gibt es ganz schön viele Stolpersteine. Erst mal die drei Sachen in den Flur tragen. Da wird schon mal der ein oder andere Gegenstand auf den Boden geschmissen und bleibt erst mal dort liegen. Am liebsten soll die Mama, die kurz zuvor gar nichts anfassen durfte, alles, was das Kind hingeschmissen hat, aufsammeln. Je nachdem, ob die Mama aufgibt oder nicht, kann es schon mal zehn Minuten dauern, bis man sich schließlich im Eingangsflur befindet. Spätestens jetzt wird es kritisch: Jacke, Mütze UND Schuhe müssen jetzt dringend angezogen werden, bevor man sich endlich auf den Weg nach Hause bzw. in unserem Fall zum Abholen des nächsten Kindes machen kann. Meine 4jährige und nach wie vor trotzige Tochter besteht meist darauf, alles alleine zu machen – woran es wirklich gar nichts zu bemängeln gibt, außer der Tatsache, dass sie nicht damit anfängt. Es braucht mindestens einen Heulanfall ihrerseits und bis zu drei Drohungen meinerseits, dass ich jetzt ohne sie gehe, bis sie schließlich anfängt, sich anzuziehen und auch dann brauche ich noch Geduld, denn es dauert einfach.

Schließlich stehe ich mit einem heulenden Kind vor der Eingangstür, das noch mit dem Reißverschluss seines Anoraks kämpft. Mitleidsvolle Blicke anderer abholender Eltern erreichen mich. Wobei mir nicht ganz klar ist, wem das Mitleid gilt, dem heulenden Kind oder mir…

Soweit so gut, wir machen uns auf den Weg zur Bushaltestelle. Es sind 5 Minuten Fußweg und zwei Ampeln zu überqueren, das geht ganz gut solange ich nicht von meiner Tochter verlange, an meiner Hand zu laufen. Im Bus dann die nächsten Schwierigkeiten: wir steigen vorne ein, das Kind will natürlich partout ganz hinten sitzen. Klar, ist der Bus schon losgefahren, bevor wir hinten ankommen. Das Kind hält sich natürlich nicht fest, kann also umfallen. Wenn ich versuche, es festzuhalten, werde ich aufs Übelste von ihr beschimpft. Wenn ich es nicht tue (wofür ich mich, ehrlich gesagt, immer häufiger entscheide), werfen mir andere Fahrgäste, bevorzugt Frauen, denn die Männer kriegen sowas ja gar nicht mit, sehr böse Blicke zu. Überhaupt, wenn man mit so einem Kind in einer solchen Phase (Jedes Kind hat einmal am Tag einen Moment, an dem es unerträglich ist, so sagte mir die Tagesmutter meiner Großen mal zum Trost.) irgendwo im öffentlichen Raum unterwegs ist, bekommt man sofort einen Stempel aufgedrückt. Den der überforderten Mutter, die ihr Kind nicht unter Kontrolle hat, … wie ich sie hasse, diese Stempelblicke!!! Diesen Menschen reicht eine Minute meines kompletten Tagesablaufs, um sich ein Urteil über mich zu bilden.

Weiter im Programm, die Busfahrt ist geschafft. Allerdings nicht ohne weitere Beleidigung, da ich es doch tatsächlich gewagt habe, meiner Tochter beim Herunterklettern vom Sitz zu helfen. „Blödes Monster!“ bekomme ich dafür draußen zu hören, verbunden mit einem Schubser. Falls da noch irgendwo ein Rest von Geduld in mir gewesen ist, dann ist er jetzt endgültig weg. Der Geduldsfaden reißt und es platzt aus mir heraus, dass man seine Mama nicht schimpfen darf und natürlich sage ich auch noch, wie viel „Spaß“ es mir immer macht, sie abzuholen. Nicht so toll, ich weiß. Aber schließlich bin ich auch nur ein Mensch. Die nächsten 5 Minuten geht sie ohne zu meckern an meiner Hand. Es herrscht Funkstille. Auch auf der nun folgenden Fahrt mit der U-Bahn. Puh, ich kann endlich ein wenig durchatmen.

Was dann noch kommt, ist für mich Alltag. Wir holen die Große an der Schule ab, kurz vor der Straßenbahnhaltestelle fällt der Kleinen ein, dass sie ganz dringend Pipi muss. Also noch mal umkehren… zu guter Letzt noch einmal umsteigen am Hauptbahnhof. Während wir auf unsere Straßenbahn warten, streiten und hauen sich die Kinder. Schlussendlich erreichen wir kurz nach 17 Uhr die heimische Wohnung.

Auf meiner To-Do-Liste stehen noch mindestens: Rucksäcke der Kinder ausleeren, die Hausaufgaben der Großen kontrollieren, Abendessen zubereiten, Küche aufräumen und die Kinder ins Bett bringen.

Was haben wir uns nur dabei gedacht, Kinder in die Welt zu setzen??

Null Freizeit, 100 Prozent Stress und Machtkämpfe, endlos lange Aufgabenlisten und 200 Prozent Erschöpfung. Das war mein Bericht vom heutigen Tiefpunkt. Die Fortsetzung lesen Sie nächsten Donnerstag, wenn es wieder heißt „Ich hole meine Kinder ab“.

Ich geh jetzt mal meinen Akku aufladen…

Mutterglück

Manchmal trifft einen das kleine Glück ganz unverhofft, aber mitten ins Herz. So geschehen beim gestrigen Sonntagnachmittagsspaziergang mit der Familie. Wir kommen am Kulturladen „Loni-Übler-Haus“ vorbei. Meine 4jährige fragt: „Wieso hat das Haus so einen komischen Namen?“ – Ich: „Das müssen wir zuhause mal googeln, das war bestimmt eine ganz tolle Frau!“ – Meine Tochter ist erstmal zufrieden mit der Antwort und düst ab mit dem Laufrad. Wenige Minuten später taucht sie wieder neben mir auf, schaut mich ganz ernst an und sagt: „Du bist ja toll!“

Genau das sind die Momente, die einen für alles entlohnen und jeden Trotzanfall – sei er noch so schrecklich- unvergessen machen… ich liebe es, Mutter zu sein!