Der Weihnachtshund von Daniel Glattauer

Bei meinem letzten Besuch in der Stadtbibliothek habe ich dann doch mal Halt am Weihnachtsregal gemacht und diese lustige Geschichte mitgenommen. Daniel Glattauer erzählt in einer unvergleichlichen und trockenen Art von zwei Einzelgängern, die in der Vorweihnachtszeit zufällig miteinander in Kontakt treten und es entspinnt sich eine wundervolle Geschichte, die man nicht mehr aus der Hand legen mag.

Der beziehungsunfähige Kreuzworträtsel-Redakteur Max sucht eine Betreuung für seinen Hund Kurt, da er dem Weihnachtsfest entfliehen und die Feiertage auf den Malediven verbringen will. Es meldet sich die (zum Leidwesen ihrer Eltern immer noch unverheiratete) Endzwanzigerin Katrin, die eigentlich mit Hunden gar nichts am Hut hat und diesen nur als Ausrede benutzen möchte, damit sie an Heiligabend nicht zu ihren Eltern muss.

Das gegenseitige Desinteresse aneinander könnte nicht größer sein. Nach ersten knappen Nachrichten (Emails spielen eine wichtige Rolle!) treffen sich die Beiden mehrmals, Hund Kurt nächtigt erstmals bei Katrin und es könnte sich eine vorweihnachtliche Romanze zwischen den beiden verschrobenen Menschen entwickeln. Allerdings leidet Max an einem (sehr lustigen!) Problem, das wirklich jede Beziehung verhindert…

Allzu viel möchte ich hier nicht verraten. Das rund 200 Seiten starke Buch bietet wirklich jede Menge Lesegenuss und der Humor kommt dabei nicht zu kurz! Lange kein so lustiges Buch mehr gelesen 🙂

Katja Keweritsch: Alice und das Blau des Wassers

Dieser im März diesen Jahres erschienene Roman kommt daher wie ein klassischer Frauenroman. Gut situierte Frau in den Wechseljahren erfährt, dass ihr Ehemann, mit dem sie seit mehr als 20 Jahren verheiratet ist, ein Kind mit ihrer deutlich jüngeren Kollegin bekommt. Eheaus inklusive beruflicher Neuorientierung, da sich die Frau auf den Haushalt und die Kinder konzentriert hatte und lediglich in der Firma des Ehemannes mitarbeitete. Haben wir alles schon mal gehört. Denkt man! Aber dann bringt Katja Keweritsch neue Elemente ins Spiel: Alices erwachsene Tochter überredet sie zu einem Tapetenwechsel in Form eines Haustausches. Und so tauscht sie ihr Einfamilienhaus in einem Hamburger Vorort für 6 Monate gegen ein kleines Steinhäuschen auf der Insel Guernsey im Ärmelkanal.

Dort macht Alice viele neue Erfahrungen: sie erkundet die Insel mit dem Fahrrad, beginnt täglich im offenen Meer zu schwimmen, schließt neue Bekanntschaften (ja, es sind auch Männer dabei! Aber die wirklich wichtigen sind Frauen) und fängt an, im Garten des historischen Anwesens Sousville Manor zu arbeiten, wo sie ihre Liebe zu den Pflanzen entdeckt. Die Beschreibungen der Landschaft und der Sehenswürdigkeiten von Guernsey machen richtig Lust, selbst auf die Insel zu reisen.

Katja Keweritsch erzählt nicht die Geschichte einer betrogenen und rachelüsternen Ehefrau, sondern die einer wunderbaren Reise zu sich selbst. In dieser Form habe ich diesen Plot noch nicht gelesen. Nach dem Überwinden des Schockes schöpft Alice neue Kraft aus ihren Begegnungen in der Natur und aus der Freundschaft mit Martha, die sie auf Guernsey kennen lernt. Alice wächst an der Situation und schafft es schließlich, sich im Guten von ihrem Ehemann zu trennen und ihrem Leben eine neue Richtung zu geben.

Alice und das Blau des Wassers ist ein Buch, das einen nicht so schnell loslässt. Jetzt auf meiner Leseliste: weitere Bücher von Katja Keweritsch (ihr aktuelles Buch „Das Flüstern der Marsch“ ist kürzlich erschienen) und ein Reiseführer über Guernsey (Der nächste Familienurlaub ist in Planung…)!

Zweifarbige Topflappen

Dieses kleine Webprojekt hat sich bestens bewährt bei mir – mit etwas Übung gelingt ein Paar Topflappen an einem Nachmittag oder Abend. Die Topflappen sind schöne Mitbringsel oder kleinere Geschenke für liebe Menschen. Wenn ich Stress verarbeiten muss, webe ich etliche Exemplare hintereinander und ich finde es wunderbar, dass ich die negative Energie in so etwas Schönes verwandeln kann!

Man braucht dafür einen quadratischen Universalwebrahmen (21,5 cm x 21,5 cm), zwei verschiedene dickere Baumwollgarne (kann man aus Stoffresten auch selbst herstellen), ein Webschiffchen und für den Abschluss eine dickere Webnadel. Auf einen Kamm verzichte ich. Das Baumwollgarn ist so dick, dass ich es leicht mit den Fingern nach unten schieben kann.

Zuerst wird der Webrahmen mit einer Farbe bespannt. Wichtig ist, dass man entweder am Anfang oder am Ende einen Fadenrest für den Haken übrig lässt. Der bespannte Webrahmen sieht dann so aus:

Als nächstes wird das andere Garn auf das Schiffchen aufgewickelt. Das muss man mehrmals machen, da das Garn sehr dick ist und man sonst nicht gut weben kann.

Nun beginnt man mit dem Weben, am besten in der Mitte.

Das Fadenende lässt man nach hinten hängen und dann geht es immer abwechselnd vorne und hinten durch die Kettfäden (= erste Farbe).

Am Rand sollte man immer besonders gut aufpassen. Wenn die Reihenfolge nicht stimmt, kann es sein, dass man eine Reihe umsonst gewebt hat 😦

Man webt so lange, bis der Faden zu Ende ist. Dann fädelt man genau an der Stelle, an der der Faden zu Ende ist, den neuen Faden ein und macht im gleichen Rhythmus weiter. Von hinten sieht das Fadenende so aus:

Dann wird weiter gewebt, bis der Webrahmen ganz gefüllt ist. Beim Abnehmen vom Webrahmen sieht das Werk dann so aus:

Nun ist es wichtig, die Kettfäden (= blaue Fäden) zu verknoten, damit sich unser Werk nicht auflöst. Anschließend den Topflappen umdrehen und die Fadenenden mithilfe der Webnadel verstecken. Immer mindestens durch drei Webreihen durch, danach kann man abschneiden.

So sieht der fertige Topflappen von hinten aus:

Die Vorderansicht findet Ihr im ersten Bild. Bei dem zweiten Topflappen verwende ich die Farben dann genau anders herum. Ihr seht, es ist ganz einfach und es macht Spaß, weil man schnell ein Ergebnis hat. Ich wünsche viel Freude beim Nachmachen! Gerne könnt Ihr mir noch Eure Fragen stellen und/oder ein Bild von Euren Topflappen schicken!

Ralf Westhoff: Niemals nichts

Juhu, endlich wieder Zeit zum Lesen! Ich freue mich sehr, schon den nächsten Buchtipp zu veröffentlichen. Ich fand den im April diesen Jahres erschienenen Roman des Münchner Drehbuchautors bei den Neuerscheinungen.

Das 220 Seiten starke Buch spielt Anfang des 19. Jahrhunderts und erzählt die Geschichte der Jungbauern Liza und Maximilian, die um ihre bäuerliche Existenz kämpfen müssen. Der alte Bauer hat einfach über Nacht hingeschmissen, den Familienhof beliehen und sich auf den Weg nach Amerika gemacht. Nun müssen die Jungen schauen, wie sie den Karren aus dem Dreck ziehen. Lizas Wissbegierde und ihr Geschäftssinn sind dabei von großem Vorteil und natürlich ihre große Zuneigung zu Maximilian, der unter epileptischen Anfällen und infolgedessen auch an einem Sprachfehler leidet.

Es ist spannend zu lesen, wie alte Strukturen in Frage gestellt werden und wie sich eine junge Frau in der damaligen Zeit Respekt verschafft. Und man lernt: wer viel fragt, erfährt auch viel. Liza denkt sich: Wieso das Korn den Kornhändlern zu einem Spottpreis verkaufen wenn man auch selbst gutes Brot backen und verkaufen kann? Nicht jeder kann mit den neuen Ideen etwas anfangen und so wird die Familie bald von der Dorfgemeinschaft isoliert. Weitere Schicksalsschläge kommen hinzu und so spitzt sich die dramatische Situation der Jungbauern weiter zu…

Westhoff lässt abwechselnd Liza und den flüchtenden Altbauern Andres zu Wort kommen, den auf der Reise doch noch sein Gewissen einholt. Das Buch ist sehr fesselnd geschrieben. Das Ende wird natürlich nicht verraten, nur so viel: mein Geschmack sind diese Arten von Ende nicht. Aber dem Lesegenuss hat es keinen Abbruch getan, insofern kann ich die Lektüre von „Niemals nichts“ getrost empfehlen!

Der Salzpfad von Raynor Winn

Auf dieses Buch bin ich gestoßen, als ich den Flyer eines Programmkinos durchblätterte. Da hieß es der gleichnamige Film wäre die Verfilmung eines Bestsellers.

Sogleich machte ich mich auf die Suche nach dem Buch und entdeckte es in der Stadtbibliothek bei der Reiseliteratur. Der Roman aus dem Jahr 2018 erzählt die beeindruckende Geschichte eines Ehepaars, die beide in den 50ern sind und aufgrund einer unüberlegten Geldinvestition ihr ganzes Hab und Gut verlieren. Mangels Alternativen und weil sie Freunden und Verwandten nicht zur Last fallen wollen, begeben sich Ray und Moth auf Wanderschaft. Sie wandern den ganzen South West Coast Path von Minehead in Somerset bis Poole in Dorset.

Ihre Ausrüstung beschränkt sich aufs Wesentliche und sie haben wöchentlich nur einen kleinen Geldbetrag zur Verfügung. Leider sind Armut und Obdachlosigkeit nicht ihre einzigen Sorgen: Kurz vor Antritt der Reise erhält Ehemann Moth auch noch die Diagnose einer unheilbaren Krankheit.

Das autobiographische Buch erzählt ihre Reise in allen Details. Von den anfänglichen Schwierigkeiten bis hin zu netten und weniger netten Begegnungen unterwegs. Es schmerzte mich zu lesen, wie häufig Ray und Moth verjagt wurden und wie schnell sich die Menschen von ihnen abwandten, wenn sie den wahren Grund ihrer Reise verrieten. Die Erlebnisse in der Natur entschädigten Vieles.

Am Ende der Reise kann das Ehepaar trotz allem wieder mit Zuversicht in die Zukunft schauen. Eine fesselnde Geschichte über eine große Liebe, über Verlust, Neuorientierung und über den South West Coast Path. Absolute Leseempfehlung, nicht nur für Wanderinteressierte!

Pam Pam Ida fast unplugged in Lauterhofen

In ungewöhnlicher Besetzung gab Pam Pam Ida in einem ausverkauften Lauteracher Hof ein Sommerkonzert vom Feinsten.

„Das sind doch nicht alle!“, war mein erster Gedanke, als die Idas die Bühne betraten. Tatsächlich waren sie „nur“ zu dritt: Leadsänger Andreas Eckert, Gitarrist Daniel Randlkofer und Jürgen „Charlie“ Neumeier am Kontrabass. Unterstützt wurden sie von der erstklassigen Violinistin Kristin Schorr aus dem Silberfischorchester.

Andi versicherte sogleich, dass der Auftritt so nicht geplant war und dass sie alles dafür tun würden, dass am Ende alle glücklich wären. Er sollte Recht behalten.

Die Formation spielte eine gelungene Mischung aus alten und neuen Liedern. Die Musik war sehr dicht und die gefühlvollen Texte kamen sehr gut zur Geltung. Es war ein Erlebnis, Charlie den Kontrabass spielen zu sehen. Ein Mal mehr überzeugte Daniel Randlkofer mit seinen Fingerfertigkeiten an der Gitarre, Kristin Schorr verzauberte und bereicherte mit ihrem Geigenspiel und Andi führte gekonnt durch den Abend. Häufig wurden Instrumente hin- und hergereicht und für ein paar Lieder setzte Andi sich sogar ans Schlagzeug!

Jede/r im Publikum konnte sich davon überzeugen, dass hier echte Vollblutmusiker auf der Bühne standen, die mehrere Instrumente beherrschten und viel mehr getan haben, als das Konzert einfach nur „zu retten“. Vielen Dank für Eure Spielfreude, Euer Gefühl und den wunderschönen Abend!

Wir haben die Zeit sehr genossen, besonders auch in dieser schönen schattigen Location, ideal für einen heißen Sommerabend. Schöne Grüße an Julian, Christian und Thomas und bis bald beim nächsten Konzert!

Urlaub auf dem Bauernhof

Als unsere Große klein war sind wir zwei Mal auf einen Pferdehof nahe des Ammersees gefahren. Es waren entspannte Urlaube mit Kleinkind. Nach unserem zweiten Urlaub haben die Betreiber das Anwesen leider verkauft und sind in Rente gegangen.

Nun verlangte unsere Kleine (aktuell 10 Jahre alt und sehr tierlieb) regelrecht „Urlaub auf dem Bauernhof“. Auf der Homepage des Blauen Gockel  , ein Gütesiegel für Ferienhöfe in Bayern, fanden wir den Familienhof Pauli in Katzenbach im Bayerischen Wald.

Wir kamen an einem verregneten Tag an. Unsere Kleine streifte sich sofort ihre Regenhose über und begann, den Hof zu erkunden. Am Hang in Richtung Wald gibt es ein großes Trampolin für die Kinder, außerdem zwei Holzpferde, auf die man klettern kann sowie ein Klettergerüst mit Rutsche und Schaukel. Auch ein kleiner Fuhrpark bestehend aus mehreren Kettcars steht für die Kinder zur Verfügung. Für die Größeren (und für die Papas) gibt es eine Tischtennisplatte und einen Kicker (beides überdacht).

Natürlich gibt es auch jede Menge Tiere auf dem Bauernhof: zwei Ponys (Lotte und Pia), Schafe, Kaninchen, den gutmütigen Hofhund Molly und natürlich – Nomen est omen – viele Katzen. Auf dem angrenzenden Hof der jungen Familie leben außerdem zahlreiche Kaltblutpferde, die man häufig auf der Koppel sieht.

Von nun an hörte ich öfter „Mama, ich geh noch mal raus!“ – sowohl von der Kleinen als auch von der Großen. Die Kinder durften jederzeit in den Stall zu den Tieren. Ein Traum für meine Stadtkinder.

Untergebracht waren wir in der Ferienwohnung „Sonnenschein“, die aus zwei Schlafzimmern, einer Wohnküche (mit Geschirrspüler 😊) und einem kleinen Bad bestand. Wir genossen jeden Morgen Brötchenservice und Honig aus der eigenen Imkerei. Und ja, es gibt auch hervorragendes W-Lan, aber eigentlich sollte man die Zeit auf dem Hof anders nutzen. Da der Hof direkt am Waldrand liegt, kann man gleich loslaufen -entweder in den Wald oder hinunter an den Regen. Von der Sitzgruppe aus hat man einen gigantischen Ausblick über die Hügel des Bayerischen Waldes.

Die Bauern Maria und Siggi haben hier ihr Paradies gefunden und sie teilen es gerne mit ihren Feriengästen. Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass unsere Anwesenheit richtig erwünscht war und deshalb fühlten wir uns so wohl auf dem Hof. Maria und Siggi setzen sich selbst gerne in den Garten und unterhalten sich mit den Feriengästen. Man kann von ihnen allerlei Interessantes über die Geschichte des Hofes, den Trinkwasserbrunnen und natürlich auch viele Ausflugstipps erfahren. Wer sich für Imkerei interessiert, bekommt eine Führung durch das Bienenhaus.

Auch das soziale Leben kommt nicht zu kurz: Es besteht die Möglichkeit zu Grillen, was wir an einem Abend mit allen Feriengästen gemacht haben. An unserem letzten Abend bereitete Bäuerin Maria Leberkäse im Brotbackhäusl für alle zu. So kommt man auch mit anderen ins Gespräch.

Der Abschied vom Familiennest Pauli ist sehr schwer gefallen: bei unserer Kleinen flossen viele Tränchen. Da half nur eines: Versprechen, dass wir bald wieder kommen! Und was soll ich sagen: ich denke, wir buchen heute noch für ein verlängertes Wochenende in den Herbstferien 😉

Fleishman steckt in Schwierigkeiten

Auf die New Yorker Autorin Taffy Brodesser-Akner wurde ich kürzlich aufmerksam, da sie den Roman „Die Fletchers von Long Island“ veröffentlicht hatte und die ZEIT ein ausführliches Interview mit ihr brachte.

Mich faszinierte die Geschichte ihrer Schreibkarriere. Sie hatte ihren ersten Roman an den unmöglichsten Orten geschrieben: im Auto, während sie darauf wartete, dass ihre Kinder ihre Aktivitäten beendeten, auf der Toilette – weil sie einen plötzlichen Einfall hatte – oder im Flugzeug während einer Dienstreise. Mit unkonventionellen Porträts von Stars wie Gwyneth Paltrow oder Britney Spears machte Brodesser-Akner auf sich aufmerksam, aber der Durchbruch gelang ihr mit „Fleishman steckt in Schwierigkeiten“, einem über 500 Seiten starken Wälzer.

Zunächst sprach mich die Geschichte gar nicht so an: es geht um die Trennung eines Ehepaares in der Upper class von Manhattan. Toby, Leberspezialist an einem New Yorker Krankenhaus und Rachel, Inhaberin einer Künstleragentur und ein echter Workaholic. Zusammen haben sie zwei Kinder, die 8 und 12 Jahre alt sind.

Was mich anfangs richtig störte, war der Tonfall, mit dem weitere Figuren im Buch beschrieben und, meiner Meinung nach, abgewertet wurden. Welche Frau z.B. welches Make Up trägt und welche Rückschlüsse das zuließ. Es irritierte mich auch, da ich dachte, dass die Geschichte aus der Sicht von Toby erzählt wird. Aber ich begann darüber hinwegzulesen und die Geschichte nahm an Fahrt auf:

Toby muss einen Tag früher als abgesprochen, die Betreuung der Kinder übernehmen. Soweit so gut. Da er ohnehin mehr Zeit mit den Kindern verbringt und sich um sämtliche Belange der Kinder kümmert, kein großes Problem. Er muss lediglich seinen Alltag etwas umstrukturieren und in Sachen Online-Dating (auch ein großes Thema im Buch) etwas kürzer treten. Allerdings holt Rachel die Kinder nicht, wie vereinbart, ab. Mehr noch: sie meldet sich überhaupt nicht und ist weder für den (Ex-)Mann noch für die Kinder erreichbar. Wochenlang. Als Toby beginnt, sich damit abzufinden, wechselt die Erzählperspektive. Interessanterweise wird der Roman nicht von Toby erzählt, sondern von seiner alten Freundin Elizabeth, die Rachel zufällig begegnet und nun deren Sicht der Dinge darstellt.

Ähnlich wie im ersten Teil erfährt man in Rückblenden wie Rachel die Anfänge ihrer Beziehung mit Toby erlebt hat und was ihre Träume und Beweggründe im Leben waren. Auch das Geheimnis um die Wochen ohne Kinder und die Nicht-Erreichbarkeit wird gelüftet (In diesem Beitrag allerdings nicht, da ich den Lesespaß nicht verderben möchte!)

Brodesser-Akner baut noch einige erzählerische Kniffe ein, die den Leser stutzig machen und den Lesegenuss komplett. Kurz vor Ende des Buches stellt Elizabeth einige bemerkenswerte Überlegungen rund um das Thema Ehe und ums Älterwerden an. Sie steckt selbst in einer handfesten Midlife-Crisis und fragt sich, wo ihr Platz im Leben ist.

Ein wunderbares Buch für alle in den 40ern, die sich fragen, was das Leben noch so zu bieten hat! Und wer nach dem Roman noch nicht genug hat, kann im Anschluss noch die Serie gucken (läuft auf Disney). Brodesser-Akner selbst hat das Drehbuch dazu geschrieben. Ich bin schon gespannt!

Der Schlüssel

Machen wir uns nichts vor. Ein Leben mit Kindern bedeutet immer ein gewisses Maß an Chaos und Unberechenbarkeit. Der Verlust eines Schlüssels am letzten Wochenende hat mir das wieder einmal eindrucksvoll vor Augen geführt.

Am Sonntagnachmittag fiel mir auf, dass der Garagenschlüssel (von dem wir leider nur 1 Exemplar haben – aber das wird sich jetzt garantiert bald ändern!) nicht am gewohnten Platz im Schlüsselkörbchen im Flur lag. Erst einmal hab ich mir nicht viel dabei gedacht, da ich eigentlich fast die Einzige in der Familie bin, die ihn benutzt und ihn auch gern mal in eine Hosen- oder Jackentasche stecke… ich hab also ganz ruhig angefangen zu suchen. Erst in den Hosen, dann in den Jacken, im Arbeitsrucksack, in der Handtasche usw.

Dann fing ich an, an den unwahrscheinlicheren Orten zu suchen, auf Kommoden, Fensterbrettern, schließlich suchte ich auch an den unmöglichsten Orten unter und sogar hinter den Kommoden im Flur. Immer noch nichts! Als mein Mann am Abend nach Hause kam, war ich schon ziemlich aufgelöst. Er half mir beim Suchen und wir stellten gemeinsam die gesamte Wohnung auf den Kopf! Wir erinnerten uns an frühere, erfolgreiche Schlüsselsuchen: einmal hatte unsere Große als Krabbelbaby den ganzen Schlüsselbund verschleppt. Er tauchte Tage später zufällig im Fernsehschrank wieder auf. Ein anderes Mal war ein Schlüssel vom Garderobenschränkchen in einen Schuh gefallen und wir sind zufällig drauf getreten. Aber auch an den unmöglichsten Orten fanden wir an diesem Abend nichts.

Schließlich beruhigte ich mich und versuchte, das Unvermeidliche zu akzeptieren. Na gut, dann müssen wir eben die Garage aufbrechen und ein neues Schloss einbauen…

Am Montag nach der Arbeit hab ich noch ein wenig halbherzig gesucht, hatte mich aber eigentlich schon mit der Situation abgefunden. Am Abend machte ich mich noch mal auf den Weg zu einem Essen mit Kollegen, ich griff nach meinem Schlüsselbund und warf dabei einen ungläubigen Blick ins Schlüsselkörbchen: Der Garagenschlüssel und der Hausschlüssel meiner anderen Tochter lagen darin. „Wo kommen denn plötzlich die Schlüssel her? Die waren doch vorher nicht drin?“, entfuhr es mir.

„Die hab ich am Freitag früh alle eingesteckt“, entgegnete mir meine Teenie-Tochter seelenruhig. „Und wo waren die die ganze Zeit?“, wollte ich wissen.

„In meinem Rucksack.“

„Aber du wusstest doch, dass ich wie verrückt nach einem Schlüssel gesucht habe!“, rief ich erstaunt. Nur Schulterzucken.

Naja, was soll’s! Hauptsache, der Schlüssel war wieder da! Die Freude war riesengroß! Es hat mich schon ein wenig beruhigt, dass ich den Schlüssel nicht verlegt hatte. Für alle Fälle lasse ich jetzt endlich einen Ersatzschlüssel anfertigen 😊

Digitales Entrümpeln

Krankheitsbedingt war meine Bildschirmzeit in den letzten Monaten deutlich höher als gewöhnlich. Noch dazu hatte ich Zeit im Überfluss, auch Zeit für die unangenehmen Dinge des Lebens. Eines davon war das Ausmisten meines eMail-Postfachs.

Im letzten Jahr habe ich in kurzen Abständen immer wieder Warnungen bekommen, dass mein eMail-Postfach zu voll ist und dass ich mir zusätzlichen Speicher kaufen müsste. Daraufhin habe ich ein bisschen was gelöscht, bis die nächste Warnung kann.

In den vergangenen Wochen und Monaten habe ich immer dann, wenn absoluter Leerlauf war, eMails gelöscht. Der Ordner „Soziale Netzwerke“ war schnell leer, aber mit der Ordner „Werbung“ hat ewig gedauert! Erst letzte Woche habe ich die allerletzte unnütze Werbe-eMail aus dem Jahr 2010 (!) gelöscht. Das Gefühl der Erleichterung war enorm!

Es ist wirklich erschütternd, wie viel Datenmüll produziert wird und wie viel Zeit man zum Löschen und/oder richtigem Abspeichern braucht. Zu Spitzenzeiten habe ich acht Newsletter am Tag bekommen – das macht über 56 pro Woche und 2912 im Jahr! Das war echt eine erschreckende Erkenntnis. Bedauerlich, dass ich mich nicht früher darum gekümmert habe! Im Zuge der Entrümpelungsaktion habe ich mich von vielen unnützen Newslettern abgemeldet, aber ich habe festgestellt, dass man unwahrscheinlich aufpassen muss, dass man nicht aus Versehen wieder neue abonniert.

Dann kam mein dienstliches eMail-Postfach an die Reihe. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich dieses besser in Schuss halte 😉. Allerdings habe ich unterschätzt, wie viele gesendete Nachrichten ich noch im Postfach hatte (über 1000). Da sind alle alten jetzt weg, das war auch noch mal sehr befreiend, da sich darin noch Spuren von so manch unangenehmer Korrespondenz fanden.

Schön, dass ich das Mal in Ruhe erledigen konnte 😊