Fleishman steckt in Schwierigkeiten

Auf die New Yorker Autorin Taffy Brodesser-Akner wurde ich kürzlich aufmerksam, da sie den Roman „Die Fletchers von Long Island“ veröffentlicht hatte und die ZEIT ein ausführliches Interview mit ihr brachte.

Mich faszinierte die Geschichte ihrer Schreibkarriere. Sie hatte ihren ersten Roman an den unmöglichsten Orten geschrieben: im Auto, während sie darauf wartete, dass ihre Kinder ihre Aktivitäten beendeten, auf der Toilette – weil sie einen plötzlichen Einfall hatte – oder im Flugzeug während einer Dienstreise. Mit unkonventionellen Porträts von Stars wie Gwyneth Paltrow oder Britney Spears machte Brodesser-Akner auf sich aufmerksam, aber der Durchbruch gelang ihr mit „Fleishman steckt in Schwierigkeiten“, einem über 500 Seiten starken Wälzer.

Zunächst sprach mich die Geschichte gar nicht so an: es geht um die Trennung eines Ehepaares in der Upper class von Manhattan. Toby, Leberspezialist an einem New Yorker Krankenhaus und Rachel, Inhaberin einer Künstleragentur und ein echter Workaholic. Zusammen haben sie zwei Kinder, die 8 und 12 Jahre alt sind.

Was mich anfangs richtig störte, war der Tonfall, mit dem weitere Figuren im Buch beschrieben und, meiner Meinung nach, abgewertet wurden. Welche Frau z.B. welches Make Up trägt und welche Rückschlüsse das zuließ. Es irritierte mich auch, da ich dachte, dass die Geschichte aus der Sicht von Toby erzählt wird. Aber ich begann darüber hinwegzulesen und die Geschichte nahm an Fahrt auf:

Toby muss einen Tag früher als abgesprochen, die Betreuung der Kinder übernehmen. Soweit so gut. Da er ohnehin mehr Zeit mit den Kindern verbringt und sich um sämtliche Belange der Kinder kümmert, kein großes Problem. Er muss lediglich seinen Alltag etwas umstrukturieren und in Sachen Online-Dating (auch ein großes Thema im Buch) etwas kürzer treten. Allerdings holt Rachel die Kinder nicht, wie vereinbart, ab. Mehr noch: sie meldet sich überhaupt nicht und ist weder für den (Ex-)Mann noch für die Kinder erreichbar. Wochenlang. Als Toby beginnt, sich damit abzufinden, wechselt die Erzählperspektive. Interessanterweise wird der Roman nicht von Toby erzählt, sondern von seiner alten Freundin Elizabeth, die Rachel zufällig begegnet und nun deren Sicht der Dinge darstellt.

Ähnlich wie im ersten Teil erfährt man in Rückblenden wie Rachel die Anfänge ihrer Beziehung mit Toby erlebt hat und was ihre Träume und Beweggründe im Leben waren. Auch das Geheimnis um die Wochen ohne Kinder und die Nicht-Erreichbarkeit wird gelüftet (In diesem Beitrag allerdings nicht, da ich den Lesespaß nicht verderben möchte!)

Brodesser-Akner baut noch einige erzählerische Kniffe ein, die den Leser stutzig machen und den Lesegenuss komplett. Kurz vor Ende des Buches stellt Elizabeth einige bemerkenswerte Überlegungen rund um das Thema Ehe und ums Älterwerden an. Sie steckt selbst in einer handfesten Midlife-Crisis und fragt sich, wo ihr Platz im Leben ist.

Ein wunderbares Buch für alle in den 40ern, die sich fragen, was das Leben noch so zu bieten hat! Und wer nach dem Roman noch nicht genug hat, kann im Anschluss noch die Serie gucken (läuft auf Disney). Brodesser-Akner selbst hat das Drehbuch dazu geschrieben. Ich bin schon gespannt!

Boom Capoeira

Nach langer Pause hier mal wieder ein schöner Versprecher oder eher „Ver-hörer“ von meiner aktuell 10-jährigen Tochter. Am Frühstückstisch schallt mir ein fröhliches „Boom Capoeira“ entgegen – ich dachte mir, die Melodie kenn ich doch! Nach kurzem Überlegen und Weitersummen bin ich auf das Lied „Smooth Operator“ gekommen!

Die Große spielt seit ein paar Jahren Saxophon und deshalb hören wir alle in der Familie gerne Songs mit einem tragenden Saxophon – dazu gehört auch „Smooth Operator“.

Beim anschließendem Abwasch in der Küche habe ich den Song angemacht und festgestellt, dass man ganz wunderbar „Boom Capoeira“ singen kann 🙂

Der Schlüssel

Machen wir uns nichts vor. Ein Leben mit Kindern bedeutet immer ein gewisses Maß an Chaos und Unberechenbarkeit. Der Verlust eines Schlüssels am letzten Wochenende hat mir das wieder einmal eindrucksvoll vor Augen geführt.

Am Sonntagnachmittag fiel mir auf, dass der Garagenschlüssel (von dem wir leider nur 1 Exemplar haben – aber das wird sich jetzt garantiert bald ändern!) nicht am gewohnten Platz im Schlüsselkörbchen im Flur lag. Erst einmal hab ich mir nicht viel dabei gedacht, da ich eigentlich fast die Einzige in der Familie bin, die ihn benutzt und ihn auch gern mal in eine Hosen- oder Jackentasche stecke… ich hab also ganz ruhig angefangen zu suchen. Erst in den Hosen, dann in den Jacken, im Arbeitsrucksack, in der Handtasche usw.

Dann fing ich an, an den unwahrscheinlicheren Orten zu suchen, auf Kommoden, Fensterbrettern, schließlich suchte ich auch an den unmöglichsten Orten unter und sogar hinter den Kommoden im Flur. Immer noch nichts! Als mein Mann am Abend nach Hause kam, war ich schon ziemlich aufgelöst. Er half mir beim Suchen und wir stellten gemeinsam die gesamte Wohnung auf den Kopf! Wir erinnerten uns an frühere, erfolgreiche Schlüsselsuchen: einmal hatte unsere Große als Krabbelbaby den ganzen Schlüsselbund verschleppt. Er tauchte Tage später zufällig im Fernsehschrank wieder auf. Ein anderes Mal war ein Schlüssel vom Garderobenschränkchen in einen Schuh gefallen und wir sind zufällig drauf getreten. Aber auch an den unmöglichsten Orten fanden wir an diesem Abend nichts.

Schließlich beruhigte ich mich und versuchte, das Unvermeidliche zu akzeptieren. Na gut, dann müssen wir eben die Garage aufbrechen und ein neues Schloss einbauen…

Am Montag nach der Arbeit hab ich noch ein wenig halbherzig gesucht, hatte mich aber eigentlich schon mit der Situation abgefunden. Am Abend machte ich mich noch mal auf den Weg zu einem Essen mit Kollegen, ich griff nach meinem Schlüsselbund und warf dabei einen ungläubigen Blick ins Schlüsselkörbchen: Der Garagenschlüssel und der Hausschlüssel meiner anderen Tochter lagen darin. „Wo kommen denn plötzlich die Schlüssel her? Die waren doch vorher nicht drin?“, entfuhr es mir.

„Die hab ich am Freitag früh alle eingesteckt“, entgegnete mir meine Teenie-Tochter seelenruhig. „Und wo waren die die ganze Zeit?“, wollte ich wissen.

„In meinem Rucksack.“

„Aber du wusstest doch, dass ich wie verrückt nach einem Schlüssel gesucht habe!“, rief ich erstaunt. Nur Schulterzucken.

Naja, was soll’s! Hauptsache, der Schlüssel war wieder da! Die Freude war riesengroß! Es hat mich schon ein wenig beruhigt, dass ich den Schlüssel nicht verlegt hatte. Für alle Fälle lasse ich jetzt endlich einen Ersatzschlüssel anfertigen 😊

Jürgen Teipel: Aber ich kann fliegen

Ein Buch, das mich diesen Sommer sehr berührt hat. Schonungslos und in schlichter Sprache erzählt Teipel von der Aufarbeitung seiner Kindheit und von seiner Selbstfindung.

Das Buch beginnt mit der Zeit als er, bereits im Erwachsenenalter, am Rande der Gesellschaft lebt und illegal über einem Kino haust. Mosaikartig erhält der Leser Einblicke in Teipels verschiedene Lebensstationen: die frühe Kindheit in Kulmbach, der für ihn nur sehr schwer zu verwindende Umzug der Familie nach Regensburg, das ewige Schikaniertwerden in der Schule, der Beginn einer Beamtenkarriere (die sich dann doch als nicht passend herausstellt), sein wachsendes Interesse an der Punkszene und schließlich seine Anfänge als Schriftsteller.

In kursiv gedruckten Einschüben meldet sich das innere Kind zu Wort und der Leser erfährt so einiges über Teipels intensives Gefühlsleben, auch Träume werden skizziert.

Die Reise zu sich selbst wird begleitet von einem Herrn vom DuMont-Verlag, der von Anfang an an Teipel glaubt und der mit ihm eine lebenslange Brieffreundschaft unterhält. Weitere wichtige Bausteine sind Gesprächstherapie, Meditation und nicht zuletzt Körpertherapie. Mithilfe dieser Werkzeuge gelingt es Teipel, alte Denkmuster abzustreifen und körperliche Angstzustände loszuwerden. Er kann echte Nähe zulassen und Beziehungen zu anderen Menschen eingehen.

Selbst ein milder Blick auf die Eltern, die mit ihrem sensiblen Sohn überfordert waren, vor allem auf den harten Vater, wird möglich. Das Verhältnis der beiden verbessert sich ungemein und vor dessen Tod kommt es sogar zur Aussöhnung.

Ein mutiges und inspirierendes Buch!

Caroline von St. Ange: Alles ist schwer, bevor es leicht ist – Wie Lernen gelingt

Echt jetzt – ein Buch mit Lerntipps mitten in den Sommerferien?! Keine spannendere Ferienlektüre? Mir ist das Buch von Frau von St. Ange genau zum richtigen Zeitpunkt in die Hände gefallen. Denn wenn im September der Alltag erst wieder eingekehrt ist, fällt es schwer, neue Ideen auszuprobieren! Der unkonventionelle Ansatz und die ungewöhnlichen Ideen im Umgang mit den ach so ungeliebten Hausaufgaben gefallen mir sehr!

Die erfahrene Lerncoachin und zweifache Mutter gibt zahlreiche Tipps für die Bewältigung der täglichen Hausaufgabenroutine mit herausfordernden Kindern (sie bezeichnet sie augenzwinkernd als „Endgegner“) und stellt ausführlich dar, warum sich für die Eltern die Mühe lohnt.

Alles beginnt mit der Erstellung eines Lernplakats (Was liegt heute an? Welche Aufgaben sind zu erledigen?), das kann für Kinder im Grundschulalter auch schon mal plastisch dargestellt sein, z.B. auf einem Spielteppich für Matchbox-Autos – in ihrem Buch finden sich viele kreative Beispiele ihrer Instagram-Fangemeinde. Hilfreich ist auch ein ritualisierter Startsong, der die Hausaufgabenzeit einläutet. Stupide Aufgaben kann man für die Kinder interessanter machen z.B. indem sie den Ort wählen dürfen, an dem sie diese erledigen. 1×1 Aufgaben dürfen z.B. mit einem wasserlöslichen Stift an die Fensterscheibe oder an den Badewannenrand geschrieben werden.

Von St. Ange findet, eine Stunde pro Tag für Hausaufgaben ist genug und ermutigt die Eltern dazu, nach einer Stunde einfach aufzuhören und dem Lehrer/ der Lehrerin eine entsprechende Rückmeldung ins Hausaufgabenheft hineinzuschreiben. Insgesamt spricht sie sich für eine bessere Kommunikation zwischen Eltern und Lehrkraft aus und ermuntert die Eltern regelrecht dazu, die Lehrer auch mal zu loben. Da ich selbst Lehrerin bin, freut mich das natürlich besonders 🙂

Besonders gefallen haben mir auch die Tipps gegen „Aufschieberitis“: Lernen mit dem Küchenwecker, z.B. erst mal nur 5 Minuten, diese aber dafür konzentriert, sich kleine Etappenziele setzen und die Arbeitszeit erst mal zu verknappen.

Die Lerncoachin gibt auch viele gute Tipps für den Umgang mit Fehlern und mit Prüfungsangst.

Dabei betont sie immer wieder, wie förderlich das richtige Mindset ist: Wenn etwas nicht gelingt, dann nicht, weil man es nicht kann, sondern weil man es NOCH nicht kann (siehe Titel). Im Idealfall sollen die Kinder erfahren, dass mit der nötigen Übung und Anstrengung alles möglich ist.

Obwohl von St. Ange selbst sowohl Noten als auch Hausaufgaben durchaus kritisch sieht, gibt sie den Eltern das nötige Rüstzeug an die Hand, um ihre Kinder gut durch die Schulzeit zu bringen. Absolute Leseempfehlung von mir.

Caroline Wahl: 22 Bahnen

Heute möchte ich eine neue junge Erzählerstimme im deutschsprachigen Roman vorstellen, die mich sehr beeindruckt hat.

In ihrem Erstlingswerk erzählt Caroline Wahl (Jahrgang 1995) die Geschichte einer besonderen Geschwisterbeziehung. Tilda und Ida leben in einer langweiligen Kleinstadt und müssen wegen ihrer alkoholkranken Mutter sehr früh erwachsen werden. Tilda, die ältere der beiden, studiert Mathematik, daneben versorgt sie den Haushalt und kümmert sich um ihre kleine Schwester. Mit ihrem Job an der Supermarktkasse trägt sie erheblich zum Familieneinkommen bei. Kraft schöpft sie aus ihrem täglichen Schwimmbadbesuch. Dort schwimmt sie jedes Mal 22 Bahnen.

Es ist eine Zeit des Umbruchs: Tilda steht am Ende ihres Studiums und muss eine wichtige Entscheidung treffen, mit der Mutter ist es ein ständiges Auf und Ab und plötzlich taucht auch noch der geheimnisvolle Viktor im Schwimmbad auf, den Tilda von früher kennt und den noch Gespenster aus seiner Vergangenheit quälen. Ganz langsam nähern sich die beiden Versehrten an.

Die Themen des Romans sind alles andere als leicht – es geht um Alkoholismus, um Verlust, ums Loslassen und ums Erwachsenwerden – dennoch gelingt der Autorin eine besondere Leichtigkeit in der Sprache und sie schafft neue Perspektiven. So errät Tilda beispielsweise anhand der Produkte auf dem Kassenband, welche „Sorte“ Mensch gerade bei ihr einkauft. Alles in allem ein sehr positiver und mutiger Roman, der zeigt, worauf es im Leben wirklich ankommt und wie man an schwierigen Lebenssituationen wächst.

Absolute Leseempfehlung von mir!

Digitales Entrümpeln

Krankheitsbedingt war meine Bildschirmzeit in den letzten Monaten deutlich höher als gewöhnlich. Noch dazu hatte ich Zeit im Überfluss, auch Zeit für die unangenehmen Dinge des Lebens. Eines davon war das Ausmisten meines eMail-Postfachs.

Im letzten Jahr habe ich in kurzen Abständen immer wieder Warnungen bekommen, dass mein eMail-Postfach zu voll ist und dass ich mir zusätzlichen Speicher kaufen müsste. Daraufhin habe ich ein bisschen was gelöscht, bis die nächste Warnung kann.

In den vergangenen Wochen und Monaten habe ich immer dann, wenn absoluter Leerlauf war, eMails gelöscht. Der Ordner „Soziale Netzwerke“ war schnell leer, aber mit der Ordner „Werbung“ hat ewig gedauert! Erst letzte Woche habe ich die allerletzte unnütze Werbe-eMail aus dem Jahr 2010 (!) gelöscht. Das Gefühl der Erleichterung war enorm!

Es ist wirklich erschütternd, wie viel Datenmüll produziert wird und wie viel Zeit man zum Löschen und/oder richtigem Abspeichern braucht. Zu Spitzenzeiten habe ich acht Newsletter am Tag bekommen – das macht über 56 pro Woche und 2912 im Jahr! Das war echt eine erschreckende Erkenntnis. Bedauerlich, dass ich mich nicht früher darum gekümmert habe! Im Zuge der Entrümpelungsaktion habe ich mich von vielen unnützen Newslettern abgemeldet, aber ich habe festgestellt, dass man unwahrscheinlich aufpassen muss, dass man nicht aus Versehen wieder neue abonniert.

Dann kam mein dienstliches eMail-Postfach an die Reihe. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich dieses besser in Schuss halte 😉. Allerdings habe ich unterschätzt, wie viele gesendete Nachrichten ich noch im Postfach hatte (über 1000). Da sind alle alten jetzt weg, das war auch noch mal sehr befreiend, da sich darin noch Spuren von so manch unangenehmer Korrespondenz fanden.

Schön, dass ich das Mal in Ruhe erledigen konnte 😊

Mama ist krank

Für die ganze Familie war es ein Riesenthema, dass ich jetzt wegen eines Leistenbruchs wochen- ja sogar monatelang nicht richtig einsatzfähig war. Mein Mann hat die täglichen Dinge des Alltags alleine gewuppt und was nicht dringend war, ist einfach liegen geblieben. Natürlich haben wir die Kinder auch mehr in die Pflicht genommen. Manches haben sie gern gemacht, manches weniger gern.

Tisch decken und abräumen ist jetzt endlich eine Selbstverständlichkeit geworden. Hat ja lange genug gedauert…

Wir haben auch so ein Frühstückstablett, das man im Bett aufstellen kann und das – ehrlicherweise – sehr selten zum Einsatz kommt. Meine Große ist ja Frühaufsteherin und hat mich ein paar Mal mit Frühstück im Bett beglückt 😊 – aber über so einen langen Zeitraum wie ich krank war, kann man das natürlich nicht erwarten!

Den Meerschweinchen-Käfig ausmisten war auch so eine Sache. Aus praktischen Gründen habe ich das in der Vergangenheit häufig alleine gemacht. Jetzt mussten die Kinder übernehmen. Die ersten Male haben sie ewig gebraucht und sich dabei übelst darüber gestritten, wer von beiden mehr macht. Aber es wurde tatsächlich irgendwann besser. Meine Kleine sagte danach jedes Mal zu mir: „Aber nächste Woche mach ich das nicht mehr!“ – Es war schwer, ihr zu erklären, dass sie mich sehr lange würde vertreten müssen…

Jetzt, wo ich mich wieder einigermaßen rühren kann, haben wir ausgemacht, dass wir den Käfig abwechselnd reinigen – für mich schon eine unglaubliche Verbesserung zu vorher 😊

Als es auf die OP zuging, haben sich die Kinder auch so ihre Gedanken gemacht. Die Große fragte mich einige Tage davor, ob dabei eigentlich irgendwas schief gehen könnte. Ich habe sie beruhigt und gesagt, dass es eine Routineeingriff sei und der Operateur sehr erfahren und dass sie sich keine Sorgen zu machen brauche.

Unser kleines Temperamentsbündel reagierte auf seine ganz eigene Weise. Am Abend vor der OP sagte die Kleine ernst zu mir: „Wenn der irgendwas falsch macht, dann hau ich ihn!“

Die Wochen nach der OP mussten mich die Kinder wie ein rohes Ei behandeln – zum Glück sind sie nicht mehr so klein. Unsere Kleine ist allerdings recht impulsiv und hat ein paar Mal nicht dran gedacht, aber ich konnte sie immer rechtzeitig ausbremsen.

Für mich war es sehr spannend, zu erleben, wie die Kinder sich mit der Situation arrangierten und was für Gedanken sie sich gemacht haben.

Wovon wir alle profitiert haben, ist die Zeit, die es plötzlich im Überfluss gab. Zeit, mit den Kindern Hausaufgaben zu machen oder für Proben zu lernen. Zeit, mit der Großen ihre Lieblingstiktoker zu gucken. Zeit, Spiele zu spielen und natürlich auch ganz viel Zeit zum Vorlesen am Abend.

Und so hat sich dieser Spruch wieder mal bewahrheitet: Alles Schlechte hat auch sein Gutes.

Apfelringe selbst herstellen

Eine wunderschöne (Ferien-)Aktion, bei der meine Kinder (9 und 12 Jahre) gerne mithelfen. Schade nur, dass der leckere Snack immer so schnell verzehrt wird!

Man braucht: einen Dörrautomaten, Äpfel, einen Ausstecher für das Kerngehäuse, ein Schälmesser und ein Schneidemesser, ein bis zwei Brettchen und eine Schüssel für die vorbereiteten Apfelringe.

Zu Dritt schaffen wir es ganz entspannt in ca. einer Stunde, den Dörrautomaten ein Mal komplett zu befüllen. Ich übernehme das Schälen, meine Kleine liebt es, das Gehäuse auszustechen und meine Große schneidet die Äpfel in gleichmäßige Ringe. Dann heißt es den Dörrautomaten befüllen und geduldig warten (ca. 8 h bei 70 °C). Unser Dörrautomat von Klamer schaltet sich automatisch aus, das heißt, er kann getrost über Nacht laufen. Und am nächsten Morgen freuen sich die Kids über die leckeren Apfelringe!

Ich bin selbst total überrascht, wie unkompliziert man Apfelringe selbst herstellen kann. Die getrockneten Früchte halten sich einige Wochen in der Frischhaltebox (wobei sie bei uns schon immer vorher aufgefuttert werden 😉). Beim letzten Mal hatten wir auch noch viele Bananen übrig, aus denen haben wir dann leckere Bananenchips gemacht.

Es ist jetzt vielleicht nicht ganz naheliegend, sich einen Dörrautomaten anzuschaffen. Alternativ könnte man die Apfelringe auch bei niedriger Temperatur im Backofen zubereiten. Muss man aber dran denken und ausmachen. Vielleicht gibt es ja jemanden im Bekanntenkreis, der ein Dörrgerät verleiht?

Ich selbst hatte Glück und habe bei kleinanzeigen.de ein kaum benutztes Gerät von einer Frau im Nachbarort gefunden – ein fast neues Gerät zum halben Preis, das ich auch gerne an meine Bekannten und meine Familie ausleihe. Dörrautomaten kann man gut gebraucht kaufen, da sie in der Regel nicht so häufig benutzt werden.

Neben Früchten lassen sich auch Kräuter und Pilze sehr gut haltbar machen.

Ein neues Hobby: Weben

Das Weben spukte schon lange in meinem Kopf herum, bis es endlich zu mir fand. Ich kaufe regelmäßig in einer Behindertenwerkstatt ein und dort fielen mir stets die gewebten Sitzkissen ins Auge. „Solche würde ich mir auch gern mal weben!“ dachte ich bei mir. Aber nie kaufte ich den Bausatz für den Webrahmen, schließlich hatte ich keine Zeit. So ging das eine ganze Weile.

Eines Freitagsnachmittags, nach einer harten Arbeitswoche, griff ich schließlich zum Stäbchenwebrahmen und startete noch am Abend mit null Vorkenntnissen mein erstes Webprojekt. Wenn man mit dicken Filzschnüren webt, sieht man schon nach kurzer Zeit Ergebnisse. Das macht Riesenspaß und süchtig nach mehr! Innerhalb kurzer Zeit schaffte ich ein Sitzkissen in nur einer Stunde.

Bald merkte ich, dass mich das Weben total erdet. Die Arbeit ist vergessen und ich konzentriere mich nur auf meine geschäftigen Hände, bin einfach im Hier und Jetzt. Wenn ich merke, dass das negative Gedankenkarussell anspringt, webe ich besonders gerne. Ich habe mir vorgenommen, diese negative Energie umzuwidmen und es gelingt oft.

Zum Glück wünschte sich meine Mutter einen Satz Sitzkissen zu Weihnachten. Ich bestellte mir ein riesengroßes Wollknäuel und machte mich an die Arbeit. Das Schönste daran: meine Mutter und ich hatten gleichermaßen Freude an dem Geschenk. Ich beim Weben und meine Mutter freute sich über das Endprodukt. Ich werde sicher noch mehr Familienmitglieder und Freunde mit meinen gewebten Werken beglücken 😉

Maulwurf der ich bin, tauchte ich tiefer in die Geschichte des Webens ein, besorgte mir günstig einen gebrauchten Webrahmen mit Wendekamm und Bücher mit Anleitungen. Ich fing an, filigraner zu weben. Ich muss sagen, der Anfang war härter als gedacht. Man muss den Webrahmen sehr exakt bespannen, man kann dabei sehr viel falsch machen und es dauert viel länger, bis man Ergebnisse sieht. Nichtsdestotrotz stellt sich das gleiche Gefühl ein: die geschäftigen Hände und die Ruhe im Kopf. Mal sehen, wo das alles noch hinführt. Nach einem Übungsstück mit einem ersten Muster, habe ich einen Schal im Hahnentrittmuster gewebt. Meine nächsten Projekte sind ein Tischläufer und Kissenbezüge. Ich bin froh und dankbar, diese Art der Entspannung für mich entdeckt zu haben! Sie hat mich gut durch die Zeit meines Leistenbruchs gebracht, in der ich mich kaum bewegen konnte.