Offenheit und Berührbarkeit von Barbara Schmitz

Allen, die eine schwere Zeit durchmachen, möchte ich dieses Buch ans Herz legen. Heutzutage ist ja viel von dem Begriff „Resilienz“ die Rede. Krisen und Schicksalsschläge nahezu unbeschadet überstehen oder gestärkt daraus hervorgehen, das ist der Wunsch von Vielen. Barbara Schmitz bezieht sich oft auf den Resilienzbegriff, stellt ihm allerdings die Begriffe „Offenheit“ und „Berührbarkeit“ entgegen.

Zunächst kommt das Buch recht theoretisch daher. Frau Schmitz ist Philosophin und definiert erst einmal den Begriff der Verletzbarkeit. Sie legt ausführlich dar, auf welchen Ebenen der Mensch verletzbar ist und gelangt zu dem Schluss, dass Verletzbarkeit Teil unseres menschlichen Wesens ist und zum Menschsein einfach dazugehört. Schmitz geht es nicht darum, den Mensch gegen die Widrigkeiten der Welt abzuhärten oder ihn an die widrigen Umstände anzupassen, sondern darum die eigene Verletzbarkeit zu akzeptieren. Dazu gehört sehr viel Mut und nur dadurch bleiben wir berührbar und offen. Somit bietet Schmitz einen krassen Gegenentwurf zur vorherrschenden Leistungsgesellschaft. Sie wünscht sich eine Gesellschaft, in der Verletzbarkeiten offen thematisiert werden und Werte wie Solidarität, Mitgefühl, Gemeinsinn und Verantwortung für andere wieder wichtig werden.

Schmitz hat selbst einige Schicksalsschläge erlebt und ist alleinerziehende Mutter einer geistig behinderten Tochter. Ihre persönlichen Lebenserfahrungen bereichern die philosophischen Ausführungen.

Ein wirklich sehr berührendes Plädoyer, das mir in der Seele gut getan hat.

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